Aktuelle Verletzungssituation von Fahrradfahrern
 
RichterM.1, OtteD.2, HaasperC.1, SommerK.1, KnoblochK.1, ProbstC.1, WesthoffJ.1, KrettekC.1
1Medizinische Hochschule Hannover, Unfallchirurgische Klinik, Hannover, 2Medizinische Hochschule Hannover, Unfallforschung, Hannover
 
Fragestellung: Ziel der Studie war durch eine genaue Analyse der aktuellen Verletzungssituation eine Basis zur Verbesserung von präventiven Maßnahmen zu schaffen.
Methoden: Prospektiv am Unfallort und der erstversorgenden medizinischen Institution erhobene Daten von verletzten Fahrradfahrern des Zeitraums 1985 2003 wurden auf folgende Parameter hin untersucht: Kollisionsgegener, Kollisionsgeschwindigkeit (Kv, km/h), Abbreviated Injury Scale (AIS), Maximum AIS (MAIS), Inzidenz von Polytrauma (Injury Severity Score >16), Inzidenz Tod.
Ergebnisse: 4.264 verletzte Fahrradfahrer wurden untersucht.
MAIS: 1 78,8%, 2 17,0%, 3 3,0%, 4 0,6%, 5 0,4%, 6 0,2%.
Inzidenz Polytrauma 0,9%, Tod 0,5%.
Inzidenz Verletzungen Körperregionen: Kopf 47,8%, Hals 5,2%, Thorax 21%, obere Extremität 46,3%, Abdomen 5,8%, Becken 11,5%, untere Extremität 62,1%.
Unfallstelle: Gerade 27,3%, Kurve 3,0%, Einmündung 32,0%, Kreuzung 26,4%, Grundstückszufahrt 5,9%, andere 5,4%.
Kollisionsgegner: PKW 65,8%, Nutzfahrzeug 7,2%, Fahrrad 7,4%, stehendes Objekt 8,8%, mehrere 4,3%, andere 6,5%.
Kv: <31 77,9%, 31-50 4,9%, 51-70 3,7%, >70 1,5%
Helmschutz 1,5%. 68% der Kopfverletzungen lagen im Schutzbereich des Helms.
Schlussfolgerungen: Bei Fahrradfahrern sind Kopf und Extremitäten erheblich verletzungsgefährdet. Helme werden ungenügend genutzt obwohl 2/3 aller Kopfverletzungen im Schutzbereich des Helms liegen. Unfallschwerpunkte sind Kreuzungen, Einmündungen und Zufahrten. Die konsequentere Helmnutzung und Ausbau von Fahrradwegen zur Trennung der Fahrradfahrer von motorisierten Fahrzeugen sind sinnvolle präventive Maßnahmen.