Z Kardiol 94: Suppl 1 (2005)

V19 - Regulation von endothelialen Progenitorzellen durch körperliches Training bei gesunden Probanden.
 
1U.Laufs, 3A.Urhausen, 2J.Scharhag, 1N.Werner, 2A.Heitz, 1G.Kissner, 1M.Böhm, 2W.Kindermann, 1G.Nickenig
 
1Universitätskliniken des Saarlandes, Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie, Intensivmedizin, Homburg/Saar; 2Institut für Sport- und Präventivmedizin, Universität des Saarlandes, Saarbrücken; 3Centre de lAppareil Locomoteur, de Médecine du Sport et de Prévention, Centre Hospitalier de Luxembourg, Luxembourg, LU.
 
Hintergrund: In Tierversuchen und bei Patienten mit KHK steigert körperliche Aktivität die Zahl zirkulierender endothelialer Progenitorzellen (EPC). Die Effekte bei gesunden Menschen (Primärprävention) sind nicht bekannt.
Methode und Ergebnisse:
In einer cross-over Studie wurde der Effekt von intensivem und extensivem Dauerlauf bei jungen gesunden Freiwilligen untersucht. Nach Bestimmung der individuellen anaeroben Schwelle (IAS) mittels Laufbandergometrie wurden in zufälliger Reihenfolge im Abstand von einer Woche drei Laufbelastungen durchgeführt: (1) Intensiver Dauerlauf über 30 min bei 100% der IAS (~82% VO2max, Anstieg des Serum-Laktat von 1.3±0.5 auf 4.8±1.9 mmol/l) steigerte sowohl die Anzahl (DiLDL+/Lectin+) als auch die Funktion zirkulierender EPC. Die Durchflußzytometrie zeigte eine Hochregulation der CD34+VEGFR2+, CD34+/CD133+ and CD34/CD117+ EPC (*p<0.05, s. Tabelle). In Kinetikstudien wurde der Effekt 10 min, 30 min, 2 h, 6h, und 24 h nach Belastungsende verglichen. Der maximale Anstieg aller EPC Parameter fand sich 10 - 30 min nach Belastung, nach 24 h waren wieder die Ausgangswerte erreicht. Das Maximum der migratorische Kapazität (modifizierte Boyden Kammer, VEGF) wurde 30 min nach Belastungsende beobachtet, die proliferative Potenz (Colony Forming Units) war dagegen noch 6 h nach Belastung gesteigert. (2) 30 min Dauerlauf mit moderater Intensität bei 80% der IAS (ohne signifikanten Anstieg der Laktatwerte) zeigte ähnliche Akut-Effekte wie intensiver Dauerlauf. (3) Es fand sich dagegen kein signifikanter Anstieg der EPC nach moderatem Dauerlauf über lediglich 10 min.



Diskussion: Bei Gesunden steigert sowohl ein intensiver als auch ein moderater Dauerlauf über 30 min- nicht jedoch über 10 min - die Anzahl und Funktion der EPC. Durch Quantifizierung der EPC steht damit potentiell ein direkt messbarer vaskulärer Surrogatparameter für den protektiven Effekt von körperlicher Aktivität zur Verfügung und bietet die Vorraussetzung für einen individualisierten Einsatz von körperlicher Aktivität für die Prävention und Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2005/ft/abstracts/V19.htm