Clin Res Cardiol 96: Suppl 1 (2007)

P506 - Vorbestehende Anämie als unabhängiger Prädiktor einer kontrastmittelinduzierten Nephropathie nach Herzkatheteruntersuchung
 
M. Steeg1, W. Li2, W. Bocksch1
 
1Medizinische Klinik m. S. Kardiologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Berlin; 2Department of Cardiology, Xuzhou Medical College, Xuzhou, Jiangsu, China;
 
Hintergrund: Die kontrastmittelinduzierte Nephropathie (CIN) ist als wichtige Ursache des iatrogenen akuten Nierenversagens mit einer erhöhten Mortalität verknüpft. Ziel unserer Untersuchung war die Evaluierung der CIN-Inzidenz nach Herzkatheteruntersuchung sowie des Einflusses verschiedener Faktoren, insbesondere einer vorbestehenden Anämie und der verabreichten Kontrastmittelmenge, auf die Entwicklung einer CIN.
Methodik: Untersucht wurden 3878 konsekutive Patienten (Pt, 2700 Männer, 1178 Frauen, mittleres Alter 64 Jahre, 24,4% mit Diabetes mellitus, 24,9% mit Anämie), die sich einer Herzkatheteruntersuchung (davon 50% mit Koronarintervention, 21% als Notfall) mit dem nichtionischen niederosmolaren Kontrastmittel (KM) Iopromide unterzogen. 2x300 mg Acetylcystein wurden am Vortag und Tag der Untersuchung verabreicht. Niereninsuffiziente Pt wurden 12 h vor und 12 h nach KM-Gabe mittels 1 ml/kg/h NaCl 0,9% hydriert. Der Serumkreatininwert wurde vor und 48 Stunden nach KM-Gabe ermittelt, eine Zunahme ≥ 0,5 mg/dl als CIN definiert. Eine Anämie lag definitionsgemäß bei einem Ausgangshämoglobin (Hb) < 12 g/dl bei Frauen und < 13 g/dl bei Männern vor. Pt wurden entsprechend der Ausgangs-Creatininclearance (CrCl, ml/min, nach Cockroft-Gault) in vier Gruppen eingeteilt: ≥ 90 (A), 60-89 (B), 30-59 (C) und < 30 (D).
Ergebnisse:
 
   CIN (n=110)keine CIN (n=3768)   p-Wert
 Anämie (n)  53 (48%) 911 (24%)  < 0,001
 Diabetes mellitus (n)  30 (27%) 916 (24%)  0,48
 Kreatinin ≥ 1,5 mg/dl (n)  58 (53%) 355 (9%)  < 0,001
 KM-Menge (ml)  190 ± 90  187 ± 83  0,78
 Koronarintervention (n)  52 (47%) 1899 (50%)  0,52
 Notfalleingriff (n)  21 (19%) 782 (21%)  0,67

110 Pt (2,8%) entwickelten eine CIN, anämische und niereninsuffiziente Pt, nicht jedoch Diabetiker, waren signifikant häufiger im CIN-Kollektiv vertreten. Die applizierte KM-Menge unterschied sich ebenso wie der Anteil von Interventionen und Notfalleingriffen nicht signifikant zwischen den Kollektiven mit und ohne CIN. Es fand sich auch keine Korrelation zwischen postprozeduraler Änderung des Serumkreatininwertes und der KM-Menge, auch nicht in Subgruppenanalysen für Pt ≥70 Jahre, Diabetiker, Interventions- und Notfall-Pt. Mittels Multivarianzanalyse konnten Ausgangs-CrCl sowie insbesondere das Vorliegen einer Anämie (OR 2,12, 95% CI 1,405;3,206, p<0,001) als unabhängige Prädiktoren einer CIN identifiziert werden. Anämische Pt in C hatten eine signifikant höhere CIN-Inzidenz als nicht-anämische Pt (7,9 vs 3,7%, p=0,01). Erheblich niereninsuffiziente Pt (D) hatten eine hohe CIN-Inzidenz mit und ohne begleitende Anämie (22,9 vs 15,8%, p=0,29).
Schlussfolgerungen:
1. Die CIN-Inzidenz in der Gesamtpopulation ist niedrig.
2. Pt mit Niereninsuffizienz und präprozeduraler Anämie haben ein hohes CIN-Risiko.
3. Die Entwicklung einer CIN ist unabhängig von der verabreichten Kontrastmittelmenge und dem Vorhandensein einer Notfallsituation.
4. Inwieweit die präprozedurale Normalisierung eines erniedrigten Hb-Wertes sinnvoll ist, könnte durch eine prospektive Studie geklärt werden.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ft/abstracts/P506.htm