Clin Res Cardiol 96: Suppl 1 (2007)

P510 - Strahlenbelastung des Untersuchers bei Koronarangiographien und perkutanen Koronarinterventionen in Abhängigkeit vom Zugangsweg: Vergleich bei links- u. rechtsradialem sowie transfemoralen Vorgehen.
 
H.-H. Minden1, J. Meyhöfer1, T. Ali1, K. Brilla1, T. Schau1, C. Butter1
 
1Kardiologie, Herzzentrum Brandenburg in Bernau, Bernau;
 
Einleitung: Die Strahlenexposition des Untersuchers ist bei Herzkatheteruntersuchungen (HKU) im Vergleich zu allen anderen bildgebenden Verfahren am größten. Sie wird sowohl vom Flächendosisprodukt (FDP) als auch vom Prozedurtyp [Koronarangiographie (Koro); Koronarintervention (PCI)] bestimmt. Der Einfluss des Zugangsweges auf die Höhe der Strahlenbelastung wird gegenwärtig kontrovers beurteilt. Ziel der Untersuchung war es herauszufinden, ob sich relevante Unterschiede hinsichtlich der Strahlenbelastung für den Untersucher zwischen links (LR)- u. rechtradialem (RR) sowie transfemoralen (TF) Vorgehen nachweisen lassen.
Methodik: Prospektiv wurden von 3 erfahrenen Untersuchern bei insagesamt 137 HKU (73 LR, 36 RR, 28 TF) (75 Koro; 37 Koro + PCI;  21 PCI) mittels eines oberhalb der Bleischürze angebrachten elektronischen Personendosimeters die jeweiligen Personendosiswerte (PDW) (Tiefenpersonendosis Hp10 und Hp7 in µSv) erfasst. Außerdem wurden über die Röntgeneinrichtung die Durchleuchtungszeit (DLZ in min) und das FDP (Gy/cm2) aufgezeichnet. Von jedem Patienten (P) gingen darüber hinaus Körpergröße und Körpergewicht in die Auswertung ein. Um die zugangsabhängige Strahlenbelastung zu ermitteln, wurden sowohl die Absolutwerte als auch die Strahlendosis/min DL-Zeit einer statistischen Auswertung unterzogen.
Ergebnisse: Die DLZ und die FDP/min DL-Zeit waren ausschließlich vom Prozedurtyp und nicht vom Zugangsweg abhängig (p=ns). Demgegenüber waren die untersucherrelevanten PDW (Hp7/min DL-Zeit, Tab.) bei RR-Vorgehen (kumulativ für alle Prozedurtypen (p<0,001), Koro (p<0,05), Koro+PCI (p<0,05)) gegenüber LR u. TF Vorgehen signifikant erhöht. Die PDW zwischen LR u. TF Zugangsweg unterschieden sich für keinen Prozedurtyp. Mittels Regressionsanalyse konnte außerdem gezeigt werden, dass die PDW vom Gewicht (Streustrahlung) nicht aber von der jeweiligen Körpergröße der P abhängen.
Schlussfolgerung: Die Vorteile der transradialen HKU können bei LR Zugang ohne erhöhte Strahlenexposition des Untersuchers im Vergleich zu einem TF Vorgehen genutzt werden. Demgegenüber ist eine RR HKU mit einer deutlich höheren Strahlendosis für den Untersucher verbunden.  Zur Reduktion der PDW bei RR Vorgehen sollte die Möglichkeit zusätzlicher positionsabhängiger Strahlenschutzmaßnahmen geprüft werden.
Personendosis des Untersuchers: Hp7/min DL-Zeit (µSv)
 
   Femoral Linksradial Rechtsradial
Coro 8,5±2,6 6,3±1,0 11,4±1,4
Coro + PCI 3,4±1,4 3,0±0,6 8,1±0,8
PCI 2,5±0,8 3,7±1,0 6,3±1,4

 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ft/abstracts/P510.htm