Clin Res Cardiol 96: Suppl 1 (2007)

P512 - Prävention einer Kontrastmittel-induzierten Nephropathie mit dem iso-osmolaren Kontrastmittel Iodixanol und Hydratation mit Natriumbikarbonatlösung oder isotoner 0,9 %iger Kochsalzlösung bei elektiver Koronarangiographie und eingeschränkter Nierenfunktion
 
E. Adolph1, B. Holdt-Lehmann2, T. Chatterjee1, A. Prott1, S. Paschka3, T. Körber1, H. Ince1, P. Schuff-Werner2, C.A. Nienaber1
 
1Klinik und Poliklinik für Innere Medizin - Abt. Kardiologie, Klinikum der Universität Rostock, Rostock; 2Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, Klinikum der Universität Rostock, Rostock; 3Zentralapotheke, Klinikum der Universität Rostock, Rostock;
 
Die Kontrastmittel-induzierte Nephropathie (KIN) ist definiertals ein Kreatininanstieg im Serum nach Kontrastmittelgabe im Vergleich zumAusgangswert um mehr als 25 % oder 0,5 mg/dl (44 ┬Ámol/l). Die Inzidenz der KINwird in der Literatur unterschiedlich angegeben und liegt je nachvorbestehenden Risikofaktoren zwischen 5 - 45 %. Zur Prophylaxe einer KIN wirdeine Hydratation mit isotoner 0,9 %iger Kochsalzlösung vor und nach einer Kontrastmittelbelastungempfohlen. Eine kürzlich erschienene Studie zeigt einen Vorteil fürNatriumbikarbonatlösung im Vergleich zu isotoner 0,9 %iger Kochsalzlösung beiEinsatz des nichtionischen, niedrig-osmolaren Kontrastmittels Iopamidol
(Merten GJ. Et al, JAMA 2004).
Fragestellung: Das Ziel der Studie war es, das Auftreten einer KIN beiPatienten mit einer vorbestehenden Niereninsuffizienz nachKontrastmittelbelastung mit dem nichtionischen, iso-osmolaren KontrastmittelIodixanol und Hydratation mit Natriumbikarbonatlösung oder isotoner
0,9 %iger Kochsalzlösung zu untersuchen.
Patienten und Methode: In eine prospektiven, randomisierten,monozentrischen, doppeltblinden Studie wurden 135 Patienten (Alter: 71,4+7,6Jahre) mit einem erhöhten Serumkreatininwert (SKrea) vor Koronarangiographieeingeschlossen (mittlerer SKrea-Wert: 138,06+38,9 ┬Ámol/l). Die Patientenwurden randomisiert und erhielten 2 Stunde vor der geplanten UntersuchungNatriumbikarbonatlösung (Gruppe A, n=66) oder isotone 0,9 %ige Kochsalzlösung(Gruppe B, n=69) mit einer Infusionsgeschwindigkeit von 2 ml/kg KG/h. Währendund 6 h nach der Herzkatheteruntersuchung wurde die Infusion mit 1 ml/kg KG/hfortgeführt. Als primärer Endpunkt der Studie wurde ein Anstieg des SKrea ummehr als 25 % oder 0,5 mg/dl am 1. und 2. Tag nach Kontrastmittelbelastungdefiniert. Neben dem SKrea wurde das Cystatin C im Serum (Cyst C), diePlasmaviskosität (PV) und die Urinenzyme Alaninaminopeptidase (AAP),N-acetyl-ß-D-Glucosaminidase (NAG) und a1-Microglobulin (a1M) als Indikatoren für eine frühe tubuläre Schädigung bestimmt.
Ergebnisse: Die Inzidenz einer KIN betrug 4,4 % (n=5)und lag geringfügig höher in der mit Natriumbikarbonatlösung (Gruppe A; 4,5 %,n=3) im Vergleich zu der mit isotoner Kochsalzlösung behandeltenPatientengruppe (Gruppe B; 2,9 %, n=2). Innerhalb von 10-14 Tagen nach Kontrastmittelbelastungfiel der signifikant angestiegene SKrea wieder auf Ausgangsniveau zurück. Einezusätzliche Nierenersatztherapie war bei keinem Patienten angezeigt.
Am 1. Tag nach Kontrastmittelgabe stiegen SKrea (p=0,024), CystC (p=0,017), AAP (p<0,001),
NAG (p<0,001), a1M (p=0,005) und PV (p=0,004) signifikant in beiden Gruppen an.Am 2. Tag nach Gabe von Iodixanol waren Cyst C (p=0,011), AAP (p<0,001), NAG(p<0,001) und PV (p<0,001) signifikant im Vergleich zum Ausgangswert inden Studienkollektiven erhöht.
Der Vergleich zwischen den Behandlungsgruppen zeigte in dermit Natriumbikarbonatlösung behandelten Patientengruppe (Gruppe A) am Tag 1nach Gabe von Iodixanol einen signifikanten Anstieg für AAP (p=0,034), NAG(p=0,010) und a1M (p=0,015) und am Tag 2 für AAP (p=0,036) und NAG (p=0,059) ebenfallsin der Gruppe A.
Schlussfolgerungen: Bei Einsatzdes nichtionischen, iso-osmolaren Kontrastmittels Iodixanol und  ausreichender Hydratation vor und nach der Koronarangiographiemit isotoner Kochsalzlösung besteht für Patienten mit einereingeschränkten Nierenfunktion nur eine geringe Gefahr für das Auftreten einerKIN. Ein Zusatznutzendurch die Behandlung mit Natriumbikarbonatlösung konnte nicht verifiziertwerden.

 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ft/abstracts/P512.htm