Clin Res Cardiol 96: Suppl 1 (2007)

V105 - Langzeitergebnisse nach Thrombendarterektomie der Pulmonalarterien bei chronischer thrombembolischer pulmonaler Hypertonie
 
R. Schaffarczyk1, D. Kemper1, L. Lehmkuhl2, M. Dandel1, H. B. Lehmkuhl1, O. Grauhan1, S. Mulahasanovic1, Y. Weng1, R. Hetzer1
 
1Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Deutsches Herzzentrum Berlin, Berlin; 2Klinik für Strahlenheilkunde, Diagnost. u. Intervent. Radiologie u. Nuklearmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Berlin;
 
Einleitung: Die pulmonale Thrombendarterektomie ist ein etabliertes Operationsverfahren bei chronischer thrombembolischer pulmonaler Hypertonie. Im Zeitraum von November 1990 bis November 2006 wurden im Deutschen Herzzentrum Berlin 51 Patienten einer Pulmonalis-Thrombendarterektomie unterzogen. Mit dieser Studie sollte überprüft werden, ob die angestrebten Ziele der Operation (Normalisierung der Rechtsherzfunktion durch Senkung des pulmonalvaskulären Widerstands, Besserung des Gasaustausch durch Beseitigung des Perfusions-Ventilations-Mismatch der Lunge) auch langfristig erreicht werden. 
Patienten und Ergebisse: 26 Patienten (16 Männer und 10 Frauen, mittleres Alter 52 +/- 14 (22 bis 76) Jahre) wurden im Mittel 72 +/- 43 (8 bis 192) Monate nach Thrombendarterektomie untersucht. Die pulmonalarteriellen Drucke waren im follow-up halbiert (PAP systolisch 90 +/- 4 (59 - 130) mmHg vs. 45 +/- 3  (25 - 75) mmHg). Die rechtsventrikuläre Funktion hatte sich weitgehend normalisiert (RVEF 30 +/- 10 (10 - 50) % vs. 56 +/- 8 (40 - 70) %; RVEDD 39 +/- 6 (26 -54) mm vs. 31 +/- 4 (25 -38) mm). Alle Veränderungen waren statistisch signifikant (p < 0,0001). Die präoperativ häufig bestehende Trikuspidalklappensinsuffizienz besserte sich im Langzeitverlauf, kein nachuntersuchter Patient hatte eine schwere TI (präoperativ  TI III 4, TI II 11, TI I 10, TI 0 1 Patienten vs. follow-up TI III 0, TI II 6, TI I 7, TI 0 13 Patienten).  Die arterielle Blutgasanalyse präoperativ und im follow-up erbrachte folgende Ergebnisse: PaO2 55 +/- 5 (44 - 65) mmHg vs. 70 +/- 8 (57 - 87) mmHg (p<0,0001). Die Belastungsfähigkeit hatte sich deutlich gebessert: Präoperativ befanden sich 14 Patienten im Stadium NYHA III und 12 in NYHA IV, im follow-up 17 Patienten in NYHA I, 6 in NYHA II und 3 in NYHA III (diese 3 Patienten im Stadium NYHA III waren über 70 Jahre alt mit postoperativen Verläufen von 5,10 und 16 Jahren). Beim 6 Minuten Gehtest -als aussagekräftiger Prognoseparameter- legten die nachuntersuchten Patienten 445 +/- 31 (150 - 635) m zurück. In keiner der durchgeführten Computertomographien zeigte sich der Hinweis für eine Rezidiv-Lungenembolie.
Schlußfolgerung: Im Langzeitverlauf nach Thrombendarterektomie bleibt die Nachlastsenkung für den rechten Ventrikel bestehen. Es kann langfristig eine Normalisierung der Rechtsherzfunktion erzielt werden. Durch Beseitigung des Perfusions-Ventilations-Mismatch und damit Reduzierung der Totraumventilation bessert sich der Gasaustausch. Die Thrombendarterektomie in Kombination mit der Antikoagulation und Cava-Schirm-Implantation stellt eine wirkungsvolle Prophylaxe hinsichtlich erneuter Lungenembolien dar. Patienten mit chronischer thrombembolischer pulmonaler Hypertonie erlangen nach Thrombendarterektomie auf Dauer eine gute Leistungsfähigkeit und Lebensqualität.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ft/abstracts/V105.htm