Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P331 - Optimierung eines biventrikulären ICD-Systems mittels Druck-Volumen Schleifen (Conductance-Methode).
 
J. Fitschen1, F. Eberhardt1, T. Hanke2, U. Wiegand3
 
1Medizinische Klinik II, Kardiologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck; 2Klinik für Herzchirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck; 3Medizinische Klinik II, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck;
 
Einleitung: Die Methodik der hämodynamischen Optimierung von Kardialen-Resynchronisations (CRT)-Systemen ist unklar. Hierzu wurde auch die hochauflösende Methode der Druck-Volumen Schleifen Messung (Conductance) vorgeschlagen. Dies ist die erste Fallbeschreibung, bei der eine Optimierung eines chronisch implantierten CRT-Systems mittels Druck-Volumen Schleifen Messung durchgeführt wurde.
Methodik: Im Rahmen einer elektiven Koronarangiographie wurde ein 78 jähriger Patient, mit deutlich reduzierter systolischer LV-Funktion (EF: 28%) untersucht. Ihm wurde 6 Monate zuvor ein CRT-System implantiert. Klinisch ist er als CRT-Responder einzustufen. Vor der Koronardiagnostik erfolgte die Platzierung eines 7 French Pressure-Volume-Katheter in die longitudinale linksventrikuläre Achse. Die Katheterlage wurde fluoroskopisch und  mittels Analyse der segmentalen Volumensignale verifiziert. Systolische (Schlagarbeit(SW), Herzzeitvolumen (CO), Drucksanstiegssteilheit (+dp/dtmax)) und diastolische Parameter (Relaxationskonstante (tau), Druckabfallssteilheit (-dt/dtmax) und enddiastolischer Druck (EDP)) wurden im hämodynamischen Steady-state unter Atemstillstand bestimmt. Variation des rechts- und linksventrikulären VV-Intervalls in 10 ms Schritten von 0-40ms. Nachfolgend AV-Zeit-Optimierung über Variation der AV-Zeit in 20ms-Schritten von 100-200ms.

  unstim.  LV+40 LV+30  LV+20   LV +10  RV+10  RV+20  RV+30  RV+40
 SW [ml/mmHg]  5552  8215 8123  8858  9345   9051 8912  7690  7676  7286 
 +dP/dt [mmHg/s]  1340 1680  1678  1693  1631  1640  1602  1577  1551  1501 
CO [l/min]  4,35 4,97  5,03  5,26  5,26  5,14  4,8  4,72  4,64  4,55 
 Tau [ms]  44 40  40 40  41  43  42  40  42  40 
 -dP/dt [mmHg/s]  -1288 -1535  -1543  -1575  -1571  -1514  -1440  -1430  -1399  -1406 
 EDP [mmHg)  14 12  14  15  14  15  14  11  12  11 
Tab. 1: Hämodynamische Parameter versus VV-Zeit.

Ergebnisse: VV LV +10 ergibt bzgl Schlagarbeit Vorteil von 3% gegenüber Werkseinstellung. Durch Fehlprogrammierung  sind ggf. beträchtliche hämodynamische. Beeinträchtigungen bis 20% möglich.
Ähnliche Ergebnisse zeigen sich nach der nachfolgenden AV-Zeit-Optimierung. Im Vergleich zur Werkseinstellung (130ms) zeigt sich auch hier ein Vorteil bezüglich der Schlagarbeit von 2%. Fehlprogrammierungen können zu einer Beeinträchtigung der Schlagarbeit von 13% führen. 


Schlagarbeit vs AV-Zeit

Diskussion: Die verwendete Methode ist auf Grund des zeitlichen Aufwandes und der Invasivität keine geeignete Methode zur Routine-VV- und AV-Zeitoptimierung. Auf Grund der Möglichkeit vorlastunabhängige Kontraktilitätsparameter zu bestimmen, ist sie jedoch zur Evaluation und zum Vergleich anderer - ggf. nicht invasiver Messmethoden - optimal geeignet.
Die hier gezeigten Daten legen nahe, daß eine VV- und AV-Zeit-Optimierung bei CRT-Respondern nur geringe Vorteile bewirken kann. Eine empirische Programmierung der AV- und VV-Intervalle abweichend von der Werkseinstellung kann jedoch gerade bei klinischen CRT-Respodern, zu deutlich negativen Effekten führen. Ob bei klinischen Non-Respondern oder bei Patienten mit einem hohen Dyssynchronie-Index ein Vorteil durch eine VV-Optimierung zu erreichen ist, bedarf weiter Untersuchungen. Ebenso ist der Vergleich mit anderen Untersuchungsmethoden zur VV-Zeitoptimierung wünschenswert.
 


http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P331.htm