Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P334 - Erfolgreiche transvenöse Platzierung einer linksventrikulären Elektrode nach Rekanalisation der posterolateralen Zielvene mittels Stentimplantation.
 
K.-J. Gutleben1, G. Nölker1, H. Marschang1, M. Schmidt1, A. M. Sinha1, G. Ritscher1, J. Brachmann1
 
1II. Medizinische Klinik - Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Klinikum Coburg, Coburg;
 
Hintergrund: Biventrikuläre Herzschrittmacher- und ICD-Systeme (CRT-Systeme) haben sich in der Behandlung der symptomatischen Herzinsuffizienz bei Patienten mit schwer eingeschränkter linksventrikulärer Pumpfunktion (LVF) und einer Ejektionsfraktion (EF) ≤ 0,35 bei Linksschenkelblock (LSB) bewährt. Die transvenöse Platzierung linksventrikulärer Elektroden in eine posterolaterale Vene ist dabei das Standardverfahren. Eine optimale Elektrodenlage ist jedoch gelegentlich nur schwer oder überhaupt nicht auf diesem Wege erreichbar. Komplexe anatomische Verhältnisse des Koronarvenensinus oder eine niedrige Zwerchfellreizschwelle können Gründe dafür sein.
Fallvorstellung: Wir präsentieren den Fall einer 77-jährigen Patientin, bei der im Rahmen der schweren Herzinsuffizienz (NYHA III-IV) bei nichtischämischer Kardiomyopathie mit schwer reduzierter LVF (EF 10 %), breitem LSB und echokardiografischer Desynchronisation die Indikation zur Implantation eines biventrikulären ICD-Systems bestand.
Prozedur: Nach problemloser Intubation des Koronarvenensinus zeigen sich im Venogramm mehrere Zielvenen. In nahezu allen elektrophysiologisch akzeptablen Positionen findet sich eine niedrige Zwerchfellreizschwelle. In die einzig verbleibende posterolaterale Vene lässt sich ein Draht bis weit in die Peripherie einbringen. Über diesen ist ein Vorbringen der Elektrode bei kleinem Gefäßlumen und komplexem Gefäßverlauf jedoch nicht möglich. Deshalb wird mittels Ballonkatheter (VIVA, 3,0 x 20 mm; 10 bar) eine Aufdehnung zur Erweiterung des Lumens durchgeführt. Diese führt jedoch zur Dissektion mit Verschluss der Zielvene (Abb. 1), in die eine Elektrode nicht mehr eingebracht werden kann. Mittels Stentimplantation (Sonic, 3,0 x 33 mm) gelingt die Rekanalisation. Anschließend lässt sich eine unipolare Elektrode problemlos durch den Stent in eine elektrophysiologisch optimale und röntgenanatomisch stabile Position bringen (Abb. 2). Ein herzchirurgischer Eingriff zur Anlage einer epikardialen Elektrode konnte dadurch vermieden werden.
Follow up: Nach drei Monaten konnte eine weiterhin stabile Lage und Funktion der Elektrode nachgewiesen werden. Die Herzinsuffizienzsymptomatik hatte sich gebessert (NYHA II).
Schlussfolgerung: Die Venoplastie einer posterolateralen Vene im Rahmen der Implantation von CRT-Systemen birgt das Risiko eines kompletten Verschlusses der Zielvene. Bei liegendem Führungsdraht ist eine Wiedereröffnung durch Stentimplantation möglich. Diese erlaubt dann die erfolgreiche Implantation der Stimulationselektrode und kann einen thoraxchirurgischen Eingriff vermeiden.

 
 


http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P334.htm