Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P335 - Einfluss einer strukturierten, multimodalen, stationären Rehabilitations-Intervention auf NT-proBNP-Werte bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz NYHA II-III - Eine Multi-Center 6 Monats-Studie
 
R. Brantner1, A. Schandelmeyer1, L. Frankenstein2, C. Zugck2, C. Holubarsch1
 
1Klinik Lazariterhof/Klinik Baden-Privatklinik, MEDIAN-Kliniken, Bad Krozingen; 2Inn. Med. III, Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg;
 
BNP und NT-proBNP sind molekulare Biomarker, welche ebenso für die Diagnostik und Prognose der chronischen Herzinsuffizienz genutzt werden können wie für die Optimierung  einer medikamentösen Theapie und das Langzeit-Management dieser Erkrankung. Erstmalig untersuchten wir den Einfluss eines strukturierten, multimodalen, stationären Interventionsprogramms - wie es in Deutschland in vielen kardiovaskulären Rehabilitationskliniken angeboten wird - auf den zeitlichen Verlauf der NT-proBNP-Werte während und sechs Monate nach einer solchen Intervention.
NT-proBNP-Analysen erfolgten am Anfang (R1), während (R2) und am Ende der stationären Rehabilitationsperiode (R3), ebenso - auf ambulanter Basis - nach drei Monaten (R4) und sechs Monaten (R5) nach Entlassung. Zum Vergleich wurde eine gleichaltrige Kontrollgruppe von Patienten herangezogen, welche nicht an einem solchen intensiven Programm teilnahmen, sondern in einer Herzinsuffizienz-Ambulanz medizinisch betreut wurden.
Wir erwarteten einen positiven Effekt unseres Interventionsprogramms auf die NT-proBNP-Spiegel während des stationären Aufenthaltes, und entweder eine Konstanz dieser Werte nach der Entlassung oder - auf Grund von mangelhafter Compliance - sogar einen Wiederanstieg der Werte bis zu sechs Monaten nach Entlassung.
Komplette NT-proBNP-Werte lagen für 60 Patienten vor, welche an einer chronischen Herzinsuffizienz im Stadium NYHA II - III litten, eine klinisch relevante Dekompensation erlitten hatten und eine LVEF < 35% aufwiesen.
Der Medianwert der NT-proBNP-Spiegel betrug 1985 pg/ml am Anfang (R1), war geringfügig aber nicht signifikant reduziert auf 1644 (R2) und 1755 pg/ml (R3) während des stationären Aufenthaltes, fiel jedoch signifikant und klinisch relevant auf 978 pg/ml nach drei Monaten (R4; p<0,01) und auf 719 pg/ml nach sechs Monaten ab (R5; p<0,01). Der Medianwert der Kontrollgruppe änderte sich nicht während der sechsmonatigen Beobachtungsperiode (1164 pg/ml und 1107 pg/ml; NS).
Im Gegensatz zu unserer Hyothese  hat ein  modernes, strukturiertes, stationäres Rehabilitationsprogramm keinen Kurzzeit-Effekt auf die NT-proBNP-Spiegel, sondern einen signifikanten und größenordnungsmäßig klinisch relevanten Langzeit-Effekt. Da die NT-proBNP-Spiegel mit der Prognose der Erkrankung assoziiert sind, kann indirekt geschlossen weden, dass unsere stationäre Rehabilitationsstrategie langfristig positive Effekte auf Hospitalisierungsrate und Überlebensprognose hat.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P335.htm