Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P341 - Tako-Tsubo Kardiomyopathie: ein verändertes Calcium-regulierendes System als mögliche Ursache einer kontraktilen Dysfunktion
 
H. M. Nef1, H. Möllmann1, C. Troidl1, S. Kostin1, S. Voss1, P. Hilpert1, T. Dill1, C. W. Hamm1, A. Elsässer1
 
1, Bad Nauheim;
 
Hintergrund: Der spezifische Pathomechanismus der Tako-Tsubo Kardiomyopathie (TTC), welche durch eine vorübergehende plötzliche kontraktile Funktionseinschränkung des linken Ventrikels nach schwerem, emotionalem Stress charakterisiert ist, ist bislang nur unzureichend geklärt. Ein verändertes calcium-regulierendes System kann eine zentrale Rolle bei der Entstehung einer kontraktilen Dysfunktion einnehmen. Deshalb war es Ziel dieser Studie, den Einfluss der calcium-regulierenden Proteine in der akuten Phase der TTC und nach funktioneller Wiedererholung zu untersuchen.
Material und Methoden: Untersucht wurden insgesamt zehn konsekutive Patienten mit TTC im Zeitraum von Mai 2006 bis Februar 2007. Die Diagnosestellung einer TTC erfolgte nach Durchführung einer Koronarangiographie, Lävokardiographie und Kernspintomographie (MRT). Sowohl in der akuten Phase der kontraktilen Dysfunktion als auch nach funktioneller Wiedererholung wurden Biopsien aus dem linken Ventrikel entnommen. Die calcium-regulierenden Proteine, d.h. die sarkoplasmatische Calcium-ATPase (SERCA2a), Phospholamban (PLN-Ser16, PLN-Thr17), Sarcolipin (SLN), Ryanodin-Rezeptor (RyR2) und Natrium-Calcium-Austauscher (NCX) wurden mittels real-time PCR und Immunhistochemie auf deren Expression untersucht. Linksventrikuläres Myokardgewebe aus nicht transplantierten gesunden Herzen diente als Kontrolle.
Ergebnisse: In allen Patienten konnte das typische Kontraktionsmuster, sog. apical-ballooning, dokumentiert werden. Angiographisch konnte eine obstruktive koronare Herzerkrankung ausgeschlossen werden. Ebenfalls konnte in den late-enhancement Sequenzen der MRT-Untersuchung keine spezifische Signalaktivität als Hinweis auf eine Narbe und Inflammation detektiert werden. Alle Patienten zeigten eine Normalisierung der linksventrikulären Funktion nach 17±8 Tagen.
Der Proteingehalt der SERCA2a und von PLN-Ser16 bzw. PLN-Thr17 zeigte eine deutliche Verminderung in der akuten Phase. RyR2 und NCX zeigten eine signifikante Herunterregulierung auf mRNA-Ebene. Darüber hinaus konnte ein signifikant höherer Expressionsgehalt von SLN im Vergleich zur Kontrolle dokumentiert werden.
Schlussfolgerung: In der TTC konnte ein verändertes calcium-regulierendes System detektiert werden. Die erniedrigte Phosphorylierung von PLN sowie die erstmalige dokumentierte Expression von SLN im linken Ventrikel deuten auf eine verminderte Calcium-Affinität der SERCA2a hin. Somit ist davon auszugehen, dass calcium-regulierende Proteine entscheidend an einer linksve
ntrikulären Dysfunktion in der TTC beteiligt sind.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P341.htm