Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P346 - Systematischer Review der Kosteneffektivität von perkutanen Koronarinterventionen im Vergleich zur koronaren Bypasschirurgie
 
P. Schnell-Inderst1, V. Klauss2, J. Wasem1
 
1Gesundheitsökonomie, Universität Duisburg-Essen, Essen; 2Med. Klinik und Poliklinik - Abt. Kardiologie, Klinikum Innenstadt der LMU, München;
 
Hintergrund: Die koronare Bypasschirurgie weist im Vergleich zur perkutanen Koronarintervention mit unbeschichteten Metallstents eine geringere Häufigkeit an erneuten Revaskularisierungen auf, auch ein Überlebensvorteil ließ sich in einigen Studien nachweisen. Die koronare Bypasschirurgie ist jedoch mit höheren initialen Kosten verbunden. Es stellt sich die Frage, ob die koronare Bypasschirurgie bei mittel- und langfristigem Zeithorizont ein kosteneffektives Verfahren im Vergleich zur perkutanen Koronarintervention ist.
Ziel: Es soll eine systematische Übersicht zur Kosteneffektivität der koronaren Bypasschirurgie im Vergleich zur perkutanen Koronarinterventionen durchgeführt werden.
Methodik: Es wurde eine systematische Literaturrecherche in medizinischen Datenbanken (Embase, Medline) und eine Selektion der gefundenen Literaturstellen mit vorab festgelegten Ein- und Ausschlusskriterien nach den Methoden der evidenzbasierten Medizin durchgeführt. Eingeschlossen wurden nur Publikationen, die Ergebnisse zu Kostenwirksamkeits- Kostennutzwert- oder Kosten-Nutzen-Analysen der koronaren Bypasschirurgie im Vergleich zur perkutanen Koronarintervention mit oder ohne Stenting mit einer Follow-up-Dauer von mindestens drei Jahren berichteten. Die Ergebnisse wurden in Evidenztabellen dargestellt, die berichteten Kostendaten wurden anhand von Kaufkraftparitäten der OECD in Euro des Jahres 2006 konvertiert und inflationsbereinigt.
Ergebnisse: Es wurden 10 Publikationen zu 7 Studien identifiziert, die den Einschlusskriterien entsprachen. 2 Studien verglichen die koronare Bypasschirurgie mit Ballondilatation, 5 Studien mit Stenting mit unbeschichteten Metallstents, zwei davon zusätzlich mit medikamente-freisetzenden Koronarstents. Der Zeithorizont der Studien reichte von 3 Jahren bis lebenslang. Bei 4 Studien basierten Effekt- und Kostendaten unmittelbar auf randomisierten klinischen Studien, bei 3 Studien auf Modellierungen. Als Effektmaße dienten gewonnene Lebensjahre, qualitätsadjustierte Lebensjahre und ereignisfreies Überleben von größeren kardialen oder zerebrovaskulären Ereignissen. In einer Studie erwies sich die koronare Bypasschirurgie als dominante Strategie (kostengünstiger und klinisch effektiver), in einer weiteren Studie hingegen die perkutane Koronarintervention, eine Studie fand keine signifikanten Unterschiede sowohl hinsichtlich der Effekte als auch der Kosten. Bei den übrigen 4 Studien erwies sich die koronare Bypasschirurgie als klinisch effektiver, war jedoch mit höheren Kosten verbunden. Die inkrementelle Kosteneffektivitäts-Relation bewegte sich zwischen 10496 und 135238 Euro pro Qualitätsadjustiertem Lebensjahr. Die Kosteneffektivitätsanalysen im Vergleich zu medikamente-freisetzenden Koronarstents variierten in den Ergebnissen von der Dominanz der medikamente-freisetzenden Stents bis zu inkrementellen Kosten-Effektivitäts-Relationen der koronaren Bypasschirurgie gegenüber medikamente-freisetzenden Stents zwischen 507 und 103718 Euro pro gewonnenem Qualitätsadjustiertem Lebensjahr.
Zusammenfassung: Die Ergebnisse zur Kosteneffektivität der koronaren Bypasschirurgie gegenüber der perkutanen Koronarintervention sind sehr heterogen. Die Studien unterscheiden sich hinsichtlich der verglichenen Technologien, der Studienpopulation sowie der Dauer des Follow-ups beträchtlich.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P346.htm