Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P347 - Leitlinienorientierte Behandlung von Patienten mit akutem Koronarsyndrom - und ihre Abbildung im Deutschen Fallpauschalen-System 2007
 
H. Reinecke1, H. Bunzemeier2, N. Roeder2, G. Breithardt1, G. Steinbeck3
 
1Medizinische Klinik und Poliklinik C, Universitätsklinikum Münster, Münster; 2DRG-Research Group, Stabsst. Medizincontrolling, Universitätsklinikum Münster, Münster; 3Medizinische Klinik und Poliklinik I, Klinikum der Universität München - Großhadern, München;
 
Nach der Einführung von Fallpauschalen (G-DRGs) wird von vielen eine adäquate Vergütung einer leitlinenkonformen medizinischen Behandlung von Patienten mit akuten Koronarsyndrom (ACS) in Frage gestellt. Dies soll hier detaillierter dargestellt werden.
Konservative Therapie: Wird ein Patient mit Infarkt innerhalb von 28 Tagen stationär aufgenommen, so kommt er bei rein konservativer Behandlung ohne aufwandssteigernde Diagnosen in die G-DRG F60B. Der Erlös ist dabei für den 1. Belegungstag mit 702 € deutlich höher, als an jedem weiteren mit jeweils 275 €. In 2007 ist es dabei zu Verbesserungen gekommen, da die Verlegungsabschläge bei der F60 geringer wurden (Erlös 2005 in F60B am 1. Tag: 463 €/2007: 702 €). Leitlinienkonform sollen Patienten mit einem akutem ST- und (bei Vorliegen von Risikomerkmalen) auch mit nicht-ST-Hebungsinfarkt möglichst schnell zur invasiven Diagnostik verlegt werden. Das primär versorgende Haus erhält in diesem Fall dabei bei einer Behandlungsdauer von nur Minuten die volle Vergütung für den 1. Belegungstag von 702 €. Wird hingegen eine Gabe von Glykoprotein IIb/IIIa-Antagonisten (Gp-Blocker) notwendig, liegen diese Kosten mit ca. 1.000 € deutlich über dem, was das Haus für den Einzelfall erlösen kann. Allerdings ist zu beachten, dass aufgrund der Definition („innerhalb von 28 Tagen“) nur ein geringerer Teil dieser Patienten überhaupt für diese Therapie in Frage kommt.
Invasive Diagnostik/Therapie: Bei Herzkatheteruntersuchungen im ACS können diese abhängig von den erbrachten Prozeduren in unterschiedliche G-DRGs (u.a. präDRGs, F24A/B/C, F52A/B, F41A/B) eingruppiert werden. Hier soll nur die G-DRG F52B (größte Patientenzahl in der Kalkulationsstichprobe) dargestellt werden. Auf Grund des hohen Kostenanteils der Katheterleistungen wird der 1. Belegungstag mit 2.223 € deutlich höher vergütet (Zusatzentgelte ausgenommen), als die für jeden, über den 1. Belegungstag hinausgehende Vergütung von 325 € pro Tag (=nur unwesentlicher höher als in den nicht-invasiven Häusern). Im Gegensatz zu den von den Krankenkassen zu finanzierenden Transportkosten der Verlegung in das invasiv-tätige Haus muß gemäß §60 SGB V die Rückverlegung nicht übernommen werden. Dies ignoriert den Wunsch der Patienten nach heimatnaher Behandlung und konterkariert das Ziel des G-DRG-Systems nach einer ökonomischen Ressourcennutzung, da eine zügige heimatnahe Rückverlegung den Gesamtaufwand eines Behandlungsfalls reduziert (Daten hier nicht gezeigt).
Konsequenzen: Das medizinisch indizierte Vorgehen, Patienten mit ACS schnellstmöglich nach der Diagnosestellung in ein Katheterkrankenhaus zu verlegen, erscheint für ein nicht-invasiv tätiges Haus auch ökonomisch sinnvoll. Für ein invasiv-tätiges Haus ist es im Regelfall günstig, Patienten nach der Katheteruntersuchung außerhalb von medizinisch zwingend notwendigen Überwachungen in das erstbehandelnde Krankenhaus zurück zu verlegen, da die Tagestherapiekosten invasiver Häuser im Regelfall aufgrund der aufwändigen Infrastruktur deutlich höher liegen. Weitere Verbesserungen im System mit Blick auf Gp-Blocker und Abwärtsverlegungen sind zu fordern.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P347.htm