Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P349 - Ist die schwere Hypertriglyceridämie (SHTG, TG >1000mg/dl) ein kardiovaskulärer Risikofaktor?
 
H. U. Klör1, A. Hörger2, K. Gafinen2, A. Hauenschild1, H. Kantner2, M. Halle2
 
1Klinik für Innere Medizin - Kardiologie, Uniklinik Gießen und Marburg, Gießen; 2Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e. V., München;
 
Die SHTG gilt als extrem seltene Fettstoffwechselstörung mit relativ niedrigem Morbiditätsrisiko, von Pankreatitis-Schüben einmal abgesehen. Nach der Literatur soll die SHTG auch kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko mit sich bringen. Ob diese Annahmen zutreffen, sollte im Rahmen des HITRIG-II Studienprogramms überprüft werden.
In einer Fragebogenaktion in Baden-Württemberg wurde zuerst die Häufigkeit der SHTG in 30 Praxen niedergelassener Allgemeinmediziner und Internisten mit rund 30.000 erfassten Patienten hinterfragt. Die Prävalenz der SHTG betrug 1:600. Mithin ist in Deutschland mit einer klinisch relevanten Zahl von SHTG Patienten zu rechnen.
Das Morbiditätsprofil der SHTG wurde auf der Basis der Krankenakten von 893 Patienten (689 Männer (M), 204 Frauen (F), Alter 50 ±12 Jahre) dokumentiert, die in den Lipid-Zentren der Arbeitsgruppe SHTG langfristig betreut wurden. Aufnahmekriterium in die Studie war das Vorliegen von mindestens einem TG-Wert >1000mg/dl zu Beginn der Betreuung in den Lipid-Zentren. Zu Beginn lag der TG-Wert bei 2800 mg/dl (1000-16000 mg/dl) und der Gesamt-Cholesterin (TC)-Wert bei 480mg/dl (162-1590 mg/dl). Auch nach langfristiger Betreuung waren die Mittelwerte immer noch sehr hoch (TG 1190mg/dl, TC 320 mg/dl).
Der BMI lag im Mittel bei 28,7 ± 4.5. Begleiterkrankungen waren in folgender Häufigkeit zu finden: 24% Pankreatitis (21% M, 35% F), 21% Cholelithiasis (17% M, 32%F), Diabetes mellitus 51%, Hypertonie 70%.
Die Prävalenz kardiovaskulärerer Krankheits-Manifestationen war wie folgt: 21% Angina pectoris (23%M, 17%F), 24% angiographisch gesicherte KHK (27% M, 16%F) 14% Herzinfarkt (16% M,5%F), 15 % pAVK (14%M, 17%F) und 20 % zerebrovaskuläre Ereignisse (19%M, 24%F). Insgesamt fand sich bei 36% der SHTG Patienten (37% M, 33% F) mindestens eine klinisch erkennbare Manifestation der Atherosklerose. In vielen Fällen bestand eine Häufung von SHTG und bekannten Risikofaktoren. Nach Ausschluss anderer Risiken hatten jedoch immer noch 19% der Patienten mit isolierter SHTG (20%M, 16%F) eine klinisch erkennbare Atherosklerose-Manifestation .
In diesem größten bisher publizierten Kollektiv von SHTG Patienten konnte das bekannt hohe Pankreatitis- Risiko bestätigt werden. Bei SHTG besteht aber auch offensichtlich ein signifikantes kardiovaskuläres Risiko, was sich durch Kombination mit den bekannten Atherosklerose-Risikofaktoren noch erheblich erhöht. Ein gewisser Selektions-Bias dieses Patienten-Kollektivs lässt sich sicher nicht ausschließen, da es sich um den Lipidzentren zugewiesene Fälle handelt. Trotzdem lässt sich die Behauptung, dass die SHTG keinerlei Atherosklerose- Risiko nach sich zieht, nicht länger aufrechterhalten. Die SHTG muss daher mit allen verfügbaren Mitteln konsequent therapiert werden.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P349.htm