Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P353 - Unterscheidet sich die Lebensqualität bei Patienten mit und ohne koronare Herzerkrankung: Ergebnisse einer Screeeninguntersuchung vor einer Koronarangiographie
 
H. Rittger1, V. Köllner2
 
1II. Medizinische Klinik - Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Klinikum Coburg, Coburg; 2Fachklinik für Psychosomatische Medizin, Bliestal-Klinik, Blieskastel;
 
Hintergrund: Wir untersuchten Patienten,  die sich ambulant zur Durchführung einer Koronarangiographie vorstellten,  mit der Fragestellung, ob sich Patienten hinsichtlich ihrer Einschätzung des subjektiven Gesundheitszustandes sowie der erlebten Lebensqualität  mit und ohne pathologischen Befund unterscheiden sowie ob sich eine Altersabhängigkeit oder Geschlechtsunterschiede darstellen lassen.
Methoden: 589 konsekutive Patienten die sich ambulant zu einer Herzkatheteruntersuchung (HKU) vorstellten, wurden vor der Koronarangiographie aufgefordert einen Fragebogen auszufüllen, der aus verschieden Teilen besteht. Neben einer allgemeininternistischen und kardiologischen Anamnese bezüglich Vorerkrankungen, Medikation und Begleiterkrankungen wurden zunächst soziodemographische Daten wie Familienstand, Berufsbildung, Wohnsituation etc. erfasst. Anschließend beantworteten die Patienten die “hospital anxiety and depression scale” (HADS), die Beschwerdeliste von v. Zerssen und einen Fragebogen zum subjektiven Gesundheitszustand (SF 36). Die Beschwerdeliste von v. Zerssen besteht aus 24 Items, aus denen ein Summenwert als Indiz für die subjektive Beeinträchtigung durch körperliche Symptome gebildet wird. Der SF36 besteht aus 36 Items, die zu 8 Skalen zusammengefasst werden und aus denen sich zwei Faktoren bilden lassen, welche die körperliche und psychische Lebensqualität darstellen. 
Ergebnisse: Von 498 Patienten wurden die Fragebögen beantwortet. Bei 298 Patienten wurde angiographisch eine KHK diagnostiziert. BeimVergleich der Patienten mit koronarer Herzkrankheit und der Patienten ohne pathologischen Befund bezüglich der Hauptfaktoren des SF 36 (psychische und körperliche Lebensqualität) zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.
Lediglich in den Skalen „Emotionale Rollenfunktion“ (p = .006) und „Allgemeine Gesundheit“ (p = .011) lagen signifikante Unterschiede vor, wobei Patienten ohne pathologischen Befund die größere Zufriedenheit in diesem Bereich angaben.
Für die Prüfung der Altersabhängigkeit wurden Produkt-Moment-Korrelationen für die Hauptfaktoren des SF 36 berechnet. Hierbei zeigt sich, dass es es einen signifikanten, geringen negativen Zusammenhang (r = -,166; p = .005) der körperlichen Lebensqualität des SF 36 mit dem Alter gibt. Das heißt, ältere Menschen geben eine geringere körperliche Lebenszufriedenheit an. Bei der psychischen Lebensqualität des SF 36 gibt es keine Altersabhängigkeit. Hinsichtlich der Geschlechtsunterschiede zeigte sich ein signifikanter Unterschied (p = .001) in der Skala „körperliche Schmerzen“, bei der Männer eine höhere Zufriedenheit in diesem Bereich angeben.
Zusammenfassung: In unserer Untersuchung unterscheiden sich Patienten mit diagnostizierter KHK hinsichtlich der subjektiv erlebten Lebensqualität nicht von den Patienten, bei denen eine koronare Herzkrankheit ausgeschlossen werden konnte.
Unsere Ergebnisse decken sich mit den in der Literatur bekannten Angaben, dass weniger der kardiale Befund, sondern mehr das psychische Befinden Einfluss auf die Beschwerden hat.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P353.htm