Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P354 - Ergebnisse einer Screeninguntersuchung auf Angst und Depression vor einer Koronarangiographie
 
H. Rittger1, V. Köllner2
 
1II. Medizinische Klinik - Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Klinikum Coburg, Coburg; 2Fachklinik für Psychosomatische Medizin, Bliestal-Klinik, Blieskastel;
 
Hintergrund: Wir untersuchten Patienten hinsichlich der Frage, ob das Vorhandensein von Angst und Depression als relevanter Aspekt hinsichtlich prognostischer und therapeutischer Konsequenzen bei Patienten, die sich einer Koronarangiographie unterzogen, anzusehen ist.
Ziel der Untersuchung war die Beantwortung der Frage ob eine einfache Screeninguntersuchung die  Identifikation von Patientengruppen, die bei Vorhandensein der genannten psychischen Störungen ein höheres Risiko für kardiale Ereignisse haben könnten, möglich macht.
Methoden: 589 konsekutive Patienten die sich ambulant zu einer Herzkatheteruntersuchung vorstellten, wurden vor der Koronarangiographie aufgefordert einen Fragebogen auszufüllen, der aus verschieden Teilen besteht. Neben einer allgemeininternistischen und kardiologischen Anamnese bezüglich Vorerkrankungen, Medikation und Begleiterkrankungen wurden zunächst soziodemographische Daten wie Familienstand, Berufsbildung, Wohnsituation etc. erfasst. Anschließend beantworteten die Patienten die “hospital anxiety and depression scale” (HADS), die Beschwerdeliste von v. Zerssen und einen Fragebogen zum subjektiven Gesundheitszustand (SF 36). Die Hospital Anxiety Depression Scale - deutsche Version (HADS-D) - besteht aus 14 Items, bei denen jeweils 7 zur Angstskala bzw. zur Depressionsskala gehören. Werte > 10 wurden wie in der Literatur beschrieben als Hinweis auf eine klinisch bedeutsame Ausprägung des jeweiligen Merkmals gewertet
Ergebnisse: Von den Patienten, bei denen eine KHK diagnostiziert werden konnte (n=289, 23,3% weiblich, 76,7% männlich), beantworteten 275 (95,2%) Patienten die Fragebögen vollständig. In der KHK-Gruppe beantworteten 35 Probanden (14,34%) den Fragebogen für Angst (>10) und 26 (10,65%) den Fragebogen für Depression (>10) positiv. 15 Patienten zeigten für beide Merkmale Werte >10. Im Mittel lagen die Werte für Angst bei 6,94 und für Depression bei 5,53. Dabei zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Patienten mit und ohne KHK (Sig. (2-seitig) ,150 - Depression; ,562 - Angst, für Männer und Frauen (Sig.(2-seitig) ,575 - Depression, ,307 - Angst), für Alter und Angst und Depression (Korrelation n. Pearson ,064 - Angst, 036 Depression) sowie hinsichtlich der erzielten Angst- und Depressionswerte bei Patienten mit vor- und nicht bekannter KHK (Sig. ,374 - Depression; ,133 - Angst).
Bzgl. pectanginöser Beschwerden zeigten Patienten mit Ruhebeschwerden bzw. mit hohen Summenwerten in der Beschwerdeliste nach v. Zerssen signifikant höhere Werte für Angst und Depression.
Zusammenfassung: In unserer Untersuchung unterscheiden sich Patienten mit diagnostizierter KHK hinsichtlich erhöhter Angst- und Depressionswerte nicht von den Patienten, bei denen eine koronare Herzkrankheit ausgeschlossen werden konnte. Bei KHK-Patienten findet sich hinsichtlich erhöhter Angst- und Depressivitätswerte in unserer Untersuchung kein Korrelat zur organischen Erkrankung, zu deren Ausprägung und den damit zusammenhängenden Komplikation (Myokardinfarkt, PTCA, eingeschränkte Herzleistung).
 

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