Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P358 - Vergleich eines 3-Kanal-Tele-EKG zum 12-Kanal-Standard-EKG bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt (STEMI)
 
A. Müller1, W. Scharner2, J. Schweizer1
 
1Klinik für Innere Medizin I, Krankenhaus Küchwald der Klinikum Chemnitz gGmbH, Chemnitz; 2Vitasystems GmbH Chemnitz, Chemnitz;
 
Problemstellung: Das 12-Kanal-EKG gilt als Standard zur Erfassung von EKG-Veränderungen bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom. Bei der telemedizinischen EKG-Übertragung ist die Aufzeichnung eines 12-Kanal-EKG für den Patienten schwierig. Ziel dieser Untersuchung war es deshalb, ein 3-Kanal-Tele-EKG mit dem 12-Kanal-EKG hinsichtlich der Erfassung von infarkttypischen ST-Streckenveränderungen bei Patienten mit akutem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) zu vergleichen.
Methodik: Bei 40 konsekutiven Patienten mit STEMI  wurde gleichzeitig ein 12-Kanal-Standard-EKG und ein 3-Kanal-Tele-EKG mit dem Loop-Recorder 3300 BT (Vitaphone GmbH®, Mannheim, Deutschland) abgeleitet.
Die Aufzeichnung des 3-Kanal-Tele-EKGs erfolgte nach drei verschiedenen Ableitschemen (A, B und C).
Die 3-Kanal-Tele-EKGs wurden automatisch mittels Bluetooth über ein Mobiltelefon an ein telemedizinisches Servicecenter übertragen.
Alle Patienten hatte eine akute Koronarangiographie zur Identifizierung des Zielgefäßes für den Infarkt. Das 12-Kanal-EKG wurde mit dem 3-Kanal-Tele-EKG hinsichtlich von infarkttypischen Veränderungen (ST-Hebungen, ST-Senkungen) bei verschiedenen Infarktlokalisationen verglichen. Zum anderen wurden die drei verschiedenen Ableitschemen hinsichtlich der Sensitivität der Erfassung von infarkttypischen EKG-Veränderungen beurteilt. Das Ableitschema A lehnt sich an das Einthoven-Dreieck an. Das Ableitschema B entspricht einer typischen Überwachungsableitung und das Ableitschema C ist eine modifizierte Brust-wandableitung nach Nehb.
Ergebnisse: Von den 40 untersuchten Patienten (24 Männer, 16 Frauen; durchschnittliches Alter: 66,2 Jahre) hatten 18 einen STEMI im Vorderwandbereich (Infarktgefäß: LAD), 3 einen anteroseptalen STEMI (Infarktgefäß: LAD), 14 einen inferioren STEMI (Infarktgefäß: 13 Patienten RCA, ein Patient RCX) und 5 Patienten einen inferolateralen STEMI (Infarktgefäß: RCA).
Die Qualität der aufgezeichneten Tele-EKGs war sehr gut.
Infarkttypische ST-Streckenhebungen konnten mit dem Ableitschema A durch das  3-Kanal-Tele-EKG bei 17 Patienten mit Vorderwandinfarkt, 2 Patienten mit anteroseptalen Infarkt und allen 19 Patienten mit inferiorem bzw. inferolateralem STEMI erfasst werden. Bei einem Patienten mit Vorderwandinfarkt fanden sich indirekte Infarktzeichen (ST-Senkungen).
Die Sensitivität hinsichtlich der Erkennung von infarkttypischen ST-Hebungen im 3-Kanal-Tele-EKG war für das Ableitschema A 95 %, für das Ableitschema B 85 % und für das Ableitschema C 87,5 %. Keine EKG-Veränderungen (ST-Hebungen oder ST-Senkungen) fanden sich mit dem  Ableitschema A nur bei 1 mit dem Ableitschema B bei 2 und mit dem Ableitschema C bei 1 Patienten.
Schlussfolgerung: Auch mit einem 3-Kanal-Tele-EKG können akute infarkttypische ST-Steckenveränderungen bei Patienten mit STEMI nachgewiesen werden. Allerdings lag die Sensitivität zur Erkennung von ST-Streckenhebungen je nach verwendetem Ableitschema zwischen 85  - 95  % im Vergleich zum 12-Kanal-EKG. Eine Infarktlokalisation ist mit dem 3-Kanal-Tele-EKG nicht sicher möglich. Weitere Untersuchungen zur Erkennung einer EKG-Dynamik mit dem 3-Kanal-Tele-EKG bei Patienten mit STEMI erscheinen notwendig.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P358.htm