Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P361 - Erster Einsatz eines perkutan einsetzbaren Notfallsystems zur Kreislaufunterstützung während Hoch-Risiko-Koronarintervention
 
M. Ferrari1, B. Brehm1, T. Pörner1, M. Schlosser1, T. Fritzel1, F. Krizanic1, R. Pfeifer1, H. R. Figulla1
 
1Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Jena, Jena;
 
Hintergrund: Eine perkutane Koronarintervention (PCI) wird als Hoch-Risiko-PCI angesehen, wenn das Versorgungsareal des Zielgefäßes mehr als 50% des vitalen Myokards umfasst oder die LV-Funktion hochgradig eingeschränkt ist. Insbesondere bei Notfall-Eingriffen ist dann mit einer erhöhten Mortalität zu rechnen. Mechanische Kreislaufunterstützungssysteme können hier während des Eingriffes eine hämodynamische Stabilisierung gewährleisten; sie sind jedoch oft in ihrem Aufbau und Betrieb komplex ein eingeschränkt verfügbar. Eine technische Neuentwicklung stellt das „Plug-and-Play“-Notfallsystem der Firma Lifebridge dar, welches Computer gestützt automatisiert arbeitet und innerhalb von fünf Minuten verfügbar ist. Bei automatischer Luftelimination und integriertem Oxygenator sind mit diesem 18 kg schweren, portablen Notfallsystem Flussraten von 4 bis 5 l/min. mittels peripherer Kannülierung zu erzielen.
Fallbericht: Wir berichten von einer 84-jährigen Patientin, die bei subtotaler Stenose des linken Hauptstammes und des Ostiums der rechten Koronararterie einen Myokardinfarkt erlitten hatte. Im Rahmen einer Synkope war es ferner zu einer komplizierten Unterarmfraktur gekommen. In der Anamnese sind ein biologischer Aortenklappenersatz vor neun Jahren und eine COPD zu erwähnen. Bei einem EuroScore von 22 Punkten (logistischer Score: approx. 92% Mortalität bei Bypassoperation) führten wir eine PCI unter Schutz eines Notfallsystems durch, welches mittels 15F-Arterienkanüle und 17F-Venenkanüle mit dem Patientenkreislauf verbunden wurde. Bei einem Fluss von 3,2 l/min. konnte bei Dilatationszeiten bis zu 60 Sekunden ein gutes Ergebnis in beiden Ostien erzielt werden, ohne dass es zum einem relevanten Abfall des dann vorübergehend nicht-pulsatilen Mitteldruckes gekommen ist. Die Kannülen wurden nach Gabe von Protamin unter lokaler Kompression problemlos wieder entfernt. Die Unterarmfraktur konnte in Regionalanästhesie ostheosynthetisch fünf Tage später versorgt und die Patientin nach zehn Tagen entlassen werden.
Diskussion: Das schnell verfügbare „Plug-and-Play“-Notfallsystem ermöglicht mittels perkutaner Kannülierung durch die automatisierte Bedienung eine schnelle und sichere Übernahme der Herz- und Lungenfunktion. So kann bei Hoch-Risiko-Patienten mit relativ geringem Aufwand eine optimale Kreislaufunterstützung gewährleistet werden.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P361.htm