Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P362 - Stellenwert eines frühzeitigen kombinierten Einsatzes von Koronarrevaskularisation und intraaortaler Ballon-Gegenpulsation bei Patienten mit kardiogenem Schock und Myokardinfarkt
 
R. Andrié1, T. Lewalter1, G. Nickenig1, J. O. Schwab2
 
1Inn. Med. m. S. Kardiologie, Pneumologie, Universitätsklinikum Bonn - Med. Klinik u. Poliklinik II, Bonn; 2Medizinische Klinik und Poliklinik II, Universitätsklinikum Bonn, Bonn;
 
Hintergrund: Der kardiogene Schock (KS) stellt die Haupttodesursache bei akutem Myokardinfarkt (AMI) dar. Bei rein konservativer Therapie liegt die Mortalität bei 90%. Durch frühzeitige Revaskularisierungsmaßnahmen wie Koronarintervention (PCI) und Bypasss-OP kann die Letalität gesenkt werden. Durch den additiven Einsatz der intraaortalen Ballon-Gegenpulsations-Pumpe (IABP) kann eine weitere Verbesserung der Überlebensraten erreicht werden. Die vorliegende Studie fasst die eigenen Erfahrungen des kombinierten frühzeitigen Einsatzes von PCI und IABP, insbesondere in Hinblick auf die intrahospitale Mortalität (IHM), zusammen.
Methoden: Retrospektiv wurden 51 Patienten (P.) (36 Männer) mit KS analysiert, die in den Jahren 2005 bis 2006 aufgrund eines AMI auf unserer Intensivstation aufgenommen wurden. Das mittlere Alter lag bei 68,4 Jahren (41-99 Jahre). Die Patienten wurden unmittelbar der Koronarintervention zugeführt und mit einer IABP versorgt. Primärer Endpunkt war die IHM.
Ergebnisse: 51% der P. wiesen einen STEMI auf, 49% einen NSTEMI. 29% der P. wurden präklinisch reanimiert (PR), 10% lysiert. Bei 14% der P. waren Reanimationsmaßnahmen im Herzkatheterlabor notwendig, 66% wurden bei Aufnahme oder im Verlauf maschinell beatmet. Bei 18% der P. zeigte sich eine Eingefäß-KHK, 18% der P. präsentierten sich mit einer Zweigefäß-KHK und 64% mit einer Dreigefäß-KHK. Eine PCI wurde bei 94% der P. durchgeführt. Bei 2 P. ergab sich kein sinnvoller Ansatz für eine Intervention, 1 P. erhielt die IABP als Überbrückung bis zur Bypass-OP. Die IHM betrug 43%. Klinische Zeichen einer Sepsis wiesen 22% der P. auf, häufiger in der Gruppe der verstorbenen P. (36% vs. 10%, p<0,05). Die mittlere linksventrikuläre Ejektionsfraktion (EF) bei Aufnahme lag bei 27,6%. Es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede bezüglich der EF bei P. mit STEMI vs. NSTEMI (26,5 vs. 28,8%, p=0,45), Tod vs. Überleben (29,6 vs. 26,8%, p=0,39) und PR vs. keine PR (28,8 vs. 27,3%, p=0,72).
Schlussfolgerungen: In unserem Patientenkollektiv fand sich eine Kurzzeitüberlebensrate von 57%. Verglichen mit früheren Mortalitätsraten ist nach unserer Datenlage eine aggressive frühzeitige kombinierte Therapiestrategie bestehend aus Revaskularisation und Einsatz der IABP zu favorisieren, um die Überlebensrate bei einem Hochrisikokollektiv mit AMI und KS weiter zu verbessern.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P362.htm