Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P363 - Erfahrungen mit vorübergehender extrakorporaler Membranoxygenierung bei Patienten mit plötzlichem Herz-Kreislauf-Versagen nicht-koronarer Genese
 
C. Jung1, R. Pfeifer1, M. Schlosser1, A.-M. Hutschenreuther1, M. Fritzenwanger1, T. Pörner1, B. Brehm1, M. Ferrari1, H. R. Figulla1
 
1Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Jena, Jena;
 
Einleitung: Die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) stellt heute einen wichtigen Baustein in der Therapie des schweren Herz-Kreislaufversagens dar. Neue Notfallsysteme nutzen diese Technik durch Integration einer automatisierten Steuerung und einer Zentrifugalpumpen-Oxygenatoreinheit. Haupteinsatzgebiet ist periinterventionell in der Kardiochirurgie sowie zunehmend im ARDS. Aber auch im Rahmen von kardiopulmonalen Reanimationen und plötzlicher Verschlechterungen der Zirkulation oder Oxygenierung anderer Genese gibt es positive Erfahrungen aus Einzelfallberichten. Vorliegende Untersuchung soll den Einsatz der ECMO in klinischen Situationen evaluieren, die ansonsten mit einer klinisch infausten Prognose (Überleben < 10%) vergesellschaftet sind.
Material und Methoden: Während einer retrospektiven Beobachtungszeit von 20 Monaten kam die ECMO (Medtronic CPS) bzw. ein Notfallsystem (Lifebridge) bei zehn Patienten (24-66 Jahre, Mittel: 47,5 Jahre; vier Männer, sechs Frauen) zum Einsatz, deren Genese des Herz-Kreislauf-Versagens nicht postoperativ auftrat und bei denen ein Ausschluss einer koronaren Herzerkrankung vorlag. Der Anschluss erfolgte unter ununterbrochener mechanischer Reanimation mittels perkutaner Kanülierung der Leistengefäße.
Ergebnisse: Ursachen des Kreislaufstillstandes mit CPR waren: dilatative Kardiomyopathie (DCM, n=3), therapierefraktärer Status asthmaticus (n=1), interventionsassoziierte, iatrogene Verlegung des linken Hauptbronchus (n=1), fulminante Lungenembolie (n=1), septischer Schock (n=1), elektromechanische Entkopplung bei Intoxikation (n=1) sowie Linksherzversagen bei Amyloidose (n=1) und Endokarditis (n=1). Als erfolgreiche Therapie wurde die Entlassung aus dem Krankenhaus gewertet. Sechs der zehn Patienten (60%) konnten in gutem Allgemeinzustand entlassen werden.
Diskussion:
Perkutan einbringbare ECMO / Notfallsysteme stellen in ausgewählten Fällen eine wichtige Behandlungsoption im akuten Herz-Kreislauf-Versagen dar, falls konservative Therapiestrategien versagen. Aufgrund der erreichbaren Erfolgsraten sollte ihr Einsatzes auch in Reanimationssituationen frühzeitig erwogen werden, wenn die Genese nicht eine koronare Herzkrankheit ist.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2007/ht/abstracts/P363.htm