Clin Res Cardiol 96:Suppl 2 (2007)

P377 - Arterielle Embolisation bei flottierendem Apexthrombus und minimaler apikaler Vernarbung des linken Ventrikels ohne koronare Makroangiopathie
 
U. Neisius1, L. Faber1, T. Butz1, A. Dorszewski1, N. Bogunovic1, C. Piper1, H. Esdorn2, D. Horstkotte1
 
1Kardiologische Klinik, Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen; 2Institut für Radiologie, Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung, Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen;
 
Einleitung: Die diagnostische Aufarbeitung einer Kardioembolie ist bisweilen schwierig. Klassische kardiogene Emboliequellen sind: flächige Infarktareale im akuten oder chronischen Stadium, der linke Vorhof incl. Vorhofohr bei Vorhofflimmern oder rheumatischen Vitien, künstliche Oberflächen wie bei Alloprothesen der Herzklappen oder die Aorta ascendens bei Atherothrombose. Wir berichten über den Fall einer Patientin (Pat.) mit nur minimaler Narbenbildung letztlich unklarer Ursache, jedoch großem, flottierenden, initial tumorös anmutendem Thrombus im Bereich der linksventrikulären (LV-) Spitze.
Befunde: Die 42-jährige Pat. wurde nach mehrfacher systemarterieller Embolie  (u. a. A. brachialis rechts) bei flottierender Struktur im LV-Apex in unser Zentrum verlegt mit der Perspektive einer Operation. An kardiovaskulären Risikofaktoren bestanden ein Nikotinabusus und eine positive Familienanamnese. Anamnestisch gab es keinen Hinweis auf einen abgelaufen Myokardinfarkt oder das Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung. Auswärtige Laboruntersuchungen dokumentierten eine latente Hyperthyreose und eine mikrozytäre hypochrome Anämie bei Eisenmangel. Die CK lag initial bei 427 U/l ohne MB-Anteil (CK-MB < 0,5 ng/ml), die übrigen kardialen Marker waren unauffällig.
Das EKG zeigte keinen Potentialdefekt. Echokardiographisch fand sich eine umschriebene Akinesie der Herzspitze mit dort lokalisierter myokard-isoechogener flottierender Raumforderung von 21x10 mm. Nach invasivem Ausschluss einer Makroangiopathie konnte mittels Magnetresonanztomographie eine apikale Vernarbung und ein ca. 22x8 mm messender, wandadhärenter Thrombus dargestellt werden. Die erweiterte Labordiagnostik ergab keinen Hinweis auf eine Vaskulitis oder eine Koagulopathie.
Therapie: Unter gewichtsadaptierter Applikation von niedermolekularem Heparin bildete sich der Thrombus innerhalb von 16 Tagen vollständig zurück. Es traten keine erneuten arteriellen Embolisationen oder andere Komplikationen auf. Die Anämie wurde gynäkologischerseits auf einen ausgeprägtem Uterus myomatosus zurückgeführt; vor Beginn einer oralen Antikoagulation erfolgte eine abdominelle Hysterektomie. Die latente Hyperthyreose wurde druch eine Immunthyreopathie vom Typ Basedow verursacht.
Fazit: Auch kleine Narbenareale können Ursprung größerer LV-Thromben sein. Ätiologisch kommen im beschriebenen Fall ein transienter Koronarspasmus oder eine Koronarembolie, z. B. infolge Vorhofflimmerns im Rahmen der Thyreopathie, in Frage.
 

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