Clin Res Cardiol 97- Suppl 1

P1545 - Prozesskosten der präinterventionellen Behandlung und Risikostratifizierung von Patienten mit akutem Koronarsyndrom in der Chest-Pain-Unit der Medizinischen Klinik Heidelberg
 
A. D. Hartkopf1, J. Radeleff1, T. Hilbel1, H. A. Katus1, E. Giannitsis1
 
1Inn. Med. III, Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
 
Zielsetzung: Um überflüssige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, die Risikostratifizierung von Brustschmerzpatienten zu beschleunigen und gleichzeitig den von wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Gesetzgeber geforderten Qualitätsstandards nachzukommen, wurde in der Medizinischen Klinik Heidelberg in 2004 die erste deutsche Chest-Pain-Unit (CPU) eingerichtet. Ziel ist eine leitliniengetreue präinterventionelle Behandlung und Risikostratifizierung von Patienten mit Akutem Koronarsyndrom (ACS). Wirtschaftlichkeit bedeutet dieses Ziel mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen (ökonomisches Minimalprinzip). Anhand einer Prozesskostenrechnung haben wir die Wirtschaftlichkeit des CPU-Konzeptes überprüft.
Methodik: Wir haben die Tätigkeiten der CPU-Mitarbeiter identifiziert und zu Teilprozessen zusammengefasst. Die Beanspruchung der Personalkapazität durch eine Tätigkeit und der mit einer Tätigkeit verbundene Materialverbrauch wurden analysiert und so die Kosten eines Teilprozess berechnet. Da die Behandlung und Risikostratifizierung des ACS in unserer CPU nach der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) erfolgt, wurde diese Leitlinie als definierte Abfolge der zuvor identifizierten Teilprozesse in einem Prozessalgorithmus abgebildet. So wurden die Kosten des Hauptprozess (HP) „Risikostratifizierung und Behandlung des ACS innerhalb der CPU“ je nach Ausprägung (STEMI, NSTEMI, Ausschluss eines Myokardinfarkts) berechnet. Da das CPU-Konzept einen Mindesteinsatz an Personal bedingt, haben wir zusätzlich untersucht, inwieweit diese Personalkapazität durch den HP beansprucht wird.
Ergebnisse: Untersucht wurde das 3. Quartal 2006. In diesem Zeitraum bestand bei 730 von 1637 Patienten der Verdacht auf ein ACS. 24 h am Tag sind ein Arzt und im Durchschnitt 1,17 Pfleger in der CPU tätig. Die ärztliche Personalkapazität wurde durch die Behandlung der 730 Patienten mit V. a. ACS zu 22% und durch die Behandlung aller 1637 Patienten zu 88% beansprucht. Die anfallende Leerkapazität von 22% wurde durch den nächtlichen Bereitschaftsdienst für unsere Stationen effektiv genutzt. Die pflegerische Personalkapazität wurde zu 87% beansprucht; bei einer Reduktion des Pflegepersonals würde die pflegerische Kapazität überschritten. Die HP-Kosten betrugen 91,96 € für die Behandlung eines STEMIs, 144,76 € für die Behandlung eines NSTEMIs und 166,45 € für den Ausschluss eines Myokardinfarkts. Durch einen Vergleich mit dem entsprechenden CPU-anteiligen DRG-Erlös bzw. der zugehörigen Ambulanzpauschale konnten wir zeigen, dass Kostendeckung erreicht wurde.
Schlussfolgerung: Die Prozessanalyse zeigt, dass die Personalkapazität der CPU nicht weiter reduziert werden kann. Personalkapazität, die nicht zur Behandlung des ACS beansprucht wird, aber vorgehalten werden muss, kann anderweitig genutzt werden. Der aufgewandte Einsatz ist daher minimal und das Ziel der leitliniengetreuen präinterventionellen Behandlung und Risikostratifizierung von Patienten mit Akutem Koronarsyndrom wird in wirtschaftlicher Art und Weise sowie kostendeckend erreicht. Die CPU erscheint daher für ein Haus mit ähnlichen Fallzahlen als wirtschaftliches Konzept zur leitliniengetreuen und damit qualitativ hochwertigen Behandlung und Risikostratifizierung des ACS.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2008/ft/abstracts/P1545.htm