Clin Res Cardiol 97- Suppl 1

P1552 - Ist die Versorgung von Patienten mit akutem Myokardinfarkt und letalem Krankheitsverlauf im DRG-System richtig abgebildet?
Eine ökonomische Herangehensweise.
 
M. Kollum1, J. Reinöhl1, M. Rüdiger1, C. Bode1, M. Zehender1
 
1Innere Medizin III/Kardiologie und Angiologie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg im Breisgau
 
Einleitung: Mit Einführung des pauschalierten Entgeltsystems Diagnosis Related Groups (DRG) im Jahr 2004 nahm die Bedeutung der Krankenhausverweildauer in der stationären Patientenversorgung einen besonderen Stellenwert ein. Definiertes Ziel der DRG-Verantwortlichen ist es die Verweildauern zu überwachen, um Abschläge, z.B. durch Unterschreitung der Grenzverweildauer zu vermeiden. Während Anstrengungen der Liegezeitoptimierung im Bereich des Entlassmanagements greifen ist eine Steuerung bei Patienten mit tödlichem Ausgang der Erkrankung unmöglich. Leicht entsteht der Eindruck beim Kardiologen, dass die Versorgung der Patienten mit akutem Myokardinfarkt und früher Entlassart „Tod“ trotz maximaler Therapie und entsprechendem Ressourcenaufwand durch Entgeltabschlag unwirtschaftlich ist.
Methodik: Als Grundlage dieser Untersuchung wurden die DRG-Verschlüsselung der medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Freiburg herangezogen. Zur Analyse wurden aus der Kodierdatenbank die Patienten selektiert, die einen akuten Myokardinfarkt erlitten und trotz maximaler Therapie verstarben. Dem zeitlichen, klinischen Verlauf der Patienten wurde der Ressourcenverbrauch, dokumentiert durch die entsprechende OPS-Verschlüsslung gegenübergestellt. Als Kontrollgruppe dienten Patienten, welche den Myokardinfarkt überlebten.
Ergebnisse: Im Jahre 2005 wurden 278 Patienten mit akutem Myokardinfarkt in die medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Freiburg eingewiesen. 268 Patienten überlebten den Myokardinfarkt, 10 Patienten verstarben. Während 8 von 10 der verstorbenen Patienten (Gruppe A) die ersten 24 Stunden nicht überlebten, wurde  die Mehrzahl der überlebenden Patienten (98%) der Kontrollgruppe (Gruppe B) nach mehr als 72 Stunden entlassen. Die Unterschreitung der unteren Grenzverweildauer (2 Tage) in Gruppe A senkte den effektiven Bewertungskoeffizienten auf 0,986 im Vergleich zu 1,786 in Gruppe B. Die mittleren Verweildauern (A: 5,3 ± 5,4 Std. vs. B: 174,4 ± 89,4 Std. p > 0,01) sowie die Intensivzeiten (A: 3,3 ± 3,5 Std. vs. B: 26,8 ± 21,4 Std. p < 0,01) lagen in Gruppe A signifikant unter jener der Gruppe B. Hinsichtlich der Zeitspanne bis zur invasiven kardiologischen Diagnostik und Therapie bestand zwischen beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied. Allerdings waren in der Gruppe mit tödlichem Krankheitsverlauf mehr OPS verschlüsselt (A: 5,5 ± 1,1 (Median: 5,0) vs. B: 4,0 ± 1,5 (Median: 3,0); p < 0,01).
Diskussion: Die Hypothese, dass Patienten mit akutem Myokardinfarkt und letalem Verlauf trotz maximaler Therapie nicht adäquat im DRG-System abgebildet werden, kann durch diese Analyse klar widerlegt werden. Patienten mit einem akuten Myokardinfarkt und letalem Ausgang innerhalb der ersten 24 Stunden nach Klinikeinweisung hatten einen signifikant höheren Ressourcenverbrauch. Der Durchführungszeitpunkt der OPS war in beiden Gruppen vergleichbar. Allerdings nahmen die Patienten mit letalem Verlauf weniger Ressourcen auf der Intensivstation in Anspruch. Ebenfalls lag kein Ressourcenverbrauch auf der Normalstation vor. Somit erscheint der Abschlag von 45% auf das Relativgewicht der Basis-DRG bei dieser Patientengruppe gerechtfertigt.
 

http://www.abstractserver.de/dgk2008/ft/abstracts/P1552.htm