Clin Res Cardiol 99, Suppl 2, Oktober 2010

PP67 - Semi-invasives elektrokardiographisches Mindestmaß zur Positionierung der linksventrikulären Elektrode
 
K. Kroll1, K. Rotter1, B. Ismer1, M. Heinke2, I. Akin1, S. Schell-Dieckel1, U. Trautwein1, C. Melzer3, F. Weber1, C. Nienaber1
 
1Zentrum Innere Medizin, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Rostock AöR, Rostock; 2Universitätsklinikum Jena, Jena; 3Med. Klinik u. Poliklinik m. S. Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte, Berlin;
 
Der Programmer ICS3000 (Biotronik, Berlin) erlaubt mit dem EKG-Kabel PK199 die Darstellung einer transösophagealen linksventrikulären Ableitung (LVE) simultan zum 3-kanaligen Oberflächen-EKG und, soweit verfügbar, telemetrischen Elektrogrammen und Markern. Bei Herzinsuffizienz-Patienten bietet das LVE gegenüber dem Oberflächen-EKG einen direkteren Zugang zur Erfassung der ventrikulären elektrischen Desynchronisation.
Ziel: Nutzung der LVE-Option des ICS3000 zum Vergleich der transösophageal vermessenen zur via Implantat erfassten Desynchronisation bei Herzinsuffizienz-Patienten mit Aggregaten zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT).
Methodik: Bei 24 Herzinsuffizienz-Patienten mit Biotronik CRT-Systemen (15m, 9w, Alter 68,7 ± 9,3 Jahre) wurde eine TOslim Elektrode (Dr. Osypka GmbH, Rheinfelden) peroral appliziert und in der Position der maximalen linksventrikulären Deflektion fixiert. Das LVE wurde simultan mit den rechts- und linksventrikulären Elektrogrammen des Aggregates aufgezeichnet. Der Beginn der linksventrikulären Deflektion in der Ösophagusableitung (LVeso) bzw. im linksventrikulären Elektrodenelektrogramm (LV) wurde in Bezug auf den Beginn des QRS-Komplexes (Q) im Oberflächen-EKG als Intervalle QLVeso und QLV vermessen und verglichen (Abb.1).
Ergebnisse: QLVeso und QLV konnten mittels der LVE-Option des ICS3000 bei allen 24 Patienten mit mittlerer QRS-Breite von 158,9±33,5ms als Desynchronisationsparameter bestimmt werden. Zwischen den Messungen QLV=83,7±39,9ms und QLVeso=27,8± 45,2ms ergab sich  eine Differenz von im Mittel 27,0± 24ms. In 5 der 24 Fälle war die Differenz negativ. In diesen Fällen wurde die linksventrikuläre Deflektion vom Aggregat  im Mittel 41,6±20,0ms früher als im LVE erfasst (Abb.1, Patient 2).
 

Abbildung 1

Schlussfolgerungen: Die LVE-Option des Programmers ICS3000 erlaubt einen Rückschluss auf das Ausmaß der ventrikulären Desynchronisation. Die prä- oder intraoperative transösophageale Messung von QLVeso bietet ein Mindestmaß für die mit der linksventrikulären Elektrode zu erfassende Verzögerung. Sein Verfehlen sollte im Sinne der Effektivitätssteigerung der CRT zur Suche nach einer anderen LV-Elektrodenposition motivieren. Der Zusammenhang zwischen einer negativen Differenz QLV - QLVeso mit einem CRT-Non-Response wird in Folgestudien evaluiert.

 

Clin Res Cardiol 99, Suppl 2, Oktober 2010
Zitierung mit Vortrags- oder Posternummer s.o.
DOI 10.1007/s00392-010-1200-0

http://www.abstractserver.de/dgk2010/ht/abstracts/PP67.htm