Clin Res Cardiol 100, Suppl 1, April 2011

P395 - Prognoseabschätzung bei Herzinsuffizienz- Vergleich des Seattle Heart Failure Model -Scores (SHFM) und der Spiroergometrie
 
J. Honold1, S. De Rosa1, S. Lotz1, L. Geiger1, U. Fischer-Rasokat1, I. Spyridopoulos2, B. Aßmus1, W. C. Levy3, A. M. Zeiher1
 
1Zentrum Innere Medizin III, Schwerpunkt Kardiologie, Universitätsklinikum Frankfurt am Main, Frankfurt am Main; 2Institute of Human Genetics, Newcastle University, Newcastle Upon Tyne, Großbritannien; 3End Stage Heart Failure/Cardiac Transplantation, University of Washington, Seattle, USA;
 
Hintergrund und Ziel der Studie: Die Prognose der Herzinsuffizienz ist ungeachtet moderner medikamentöser und interventioneller Therapieansätze unverändert schlecht. Die Einschätzung der individuellen Prognose des herzinsuffizienten Patienten kann jedoch im Einzelfall schwierig sein.
Als prognostisch bedeutsame Untersuchung gilt die Spiroergometrie (CPET), die die maximale O2-Aufnahme (peak VO2), den maximalen O2-Puls (O2Pmax), die O2 uptake efficiency slope (OUES) und den VE/VCO2-slope (VE/VCO2) berechnet.
Das Seattle Heart Failure Model ist ein multivariables Risikomarker-Modell, das auf klinischen Daten basiert (Alter, Geschlecht, NYHA, Gewicht, LVEF, Blutdruck, ischämische Genese der Herzinsuffizienz, Breite des QRS-Kompexes, Medikation, Laborparameter ICD/CRT-Therapie) und so die jährliche Mortalität abschätzen kann.
Ein Vergleich der prognostischen Aussagekraft von a) spiroergometrischen Daten und b) dem SHFM-Score ist bislang nicht untersucht.
Patienten und Methoden: 154 Patienten (60±12 Jahre, 13% Frauen) mit Herzinsuffizienz ischämischer Genese (LVEF 40±11 %, NYHA 2,2 ± 0,7; NT-proBNP 1110 ± 1393 pg/ml) wurden retrospektiv über einen Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 4 Jahren (Range 186 ± 2034 Tage) auf den Tod als Endpunkt analysiert. Eine Spiroergometrie (49 Fahrrad-, 105 Laufbandergometrien mit Analyse u.a. der peak VO2, O2Pmax, OUES und VE/VCO2) zu Beginn des Beobachtungszeitraum war bei allen Patienten durchgeführt worden, der SHFM wurde anhand der klinischen Daten der Erstvorstellung berechnet.
Ergebnisse: Im Beobachtungszeitraum verstarben 25 Patienten. Patienten mit Endpunkt hatten signifikant schlechtere initiale CPET-Werte (peak VO2: 14,7 ±3,1 vs 18,4 ± 4,8 ml/min/kg, VE/VCO2 slope  43,4 ± 15 vs. 33,7 ± 10, p<0,05) und einen signifikant höheren SHFM-Score (0,95 ± 0,8  versus 0,099 ± 0,6).
Die Receiver-operating-curve-Analyse der Gesamt-Sensitivität und -spezifität von SHFM und CPET ergab den höchsten under-the-curve-Wert für den SHFM (0,8), gefolgt von VE/VCO2-slope (0,75); die übrigen CPET-Parameter hatten deutlich niedrigere Werte (OUES: 0,73, O2Pmax: 0,72, peak VO2: 0,7).
Kaplan-Meier-Analysen der Grenzwerte von SHFM und VE/VCO2-slope mit jeweils höchster Sensitivität und Spezifität zeigten im log-rank-Test eine signifikante Diskriminierung von Überlebenden und Patienten mit Endpunkt für beide Parameter.
In der multivariaten Cox-Regressions-Analyse aller CPET-Parameter und des SHFM persistierte der SHFM als stärkster unabhängiger Prädiktor der Mortalität bei diesen Patienten (Exponent beta 3,951 95% CI 2,14 - 7,296 p = 0.003). Nur eine schlechte LVEF stellte einen weiteren unabhängigen Prädiktor der Mortalität dar (Exponent beta 0,951 95 CI 0,906 - 0,997 p=0,04), sämtliche in der univariaten Analyse signifikant diskriminierenden spiroergometrischen Parameter blieben in der multivariaten Analyse ohne prognostische Relevanz.
Zusammenfassung: Der SHFM-Score ist im Vergleich mit spiroergometrischen Daten zur Prognoseabschätzung bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz überlegen. Ob eine Ergänzung spiroergometrischer Daten bei der Score-Berechnung zusätzliche prognostische Genauigkeit bietet, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.
 
Clin Res Cardiol 100, Suppl 1, April 2011
Zitierung mit Vortrags- oder Posternummer s.o.
DOI 10.1007/s00392-011-1100-y

http://www.abstractserver.de/dgk2011/ft/abstracts/P395.htm