Clin Res Cardiol 100, Suppl 1, April 2011

P645 - Die thrombozytäre Tyrosin-Phosphatase SHP-1 hemmt überschießende Collagen-induzierte Thrombozytenaggregation und arterielle Thrombose nach Gefäßverletzung in vivo
 
J. Pircher1, E. Koch1, H. Mannell1, H.-Y. Sohn1, U. Pohl2, F. Krötz1
 
1Medizinische Poliklinik, Kardiologie, Klinikum der Universität München, Campus Innenstadt, München; 2Kardiovaskuläre Physiologie und Pathophysiologie, Walter-Brendel-Zentrum für Experimentelle Medizin, LMU München, München;
 
Hintergrund und Ziel dieser Studie: Es ist bekannt, dass die Tyrosinphosphatase SHP-1 (SH-Domänen enthaltende Phosphatase 1) nach Collagen (GPVI) abhängiger Thrombozytenstimulation aktiviert wird. Wir konnten in Endothelzellen zeigen, dass SHP-1 einen autoinhibitorischen, negativen Regulator der Superoxid-Produktion darstellt (Krötz et al. 2005). Welche Rolle die thrombozytäre SHP-1 bei Thrombozytenaggregation und arteriolärer Thrombose spielt, ist bisher nicht geklärt. Ziel dieser Studie war es herauszufinden, ob es nach Ausschaltung der thrombozytären SHP-1 zu vermehrter arteriolärer Thrombose in vivo kommt.
Methoden: An isolierten humanen Thrombozyten untersuchten wir den Einfluss von SHP-1 auf die Phosphorylierung von Tyrosinresten mittels Western-Blotting. Die Aktivität von SHP-1 wurde mit einem Phosphatase-Assay (pNPP-Dephosphorylierung) ermittelt. Im Plättchen-reichen Plasma (PRP) bestimmten wir die Collagen-, Thrombin- sowie ADP- abhängige Thrombozytenaggregation mittels Born-Aggregometrie. Schließlich untersuchten wir in Black6-Mäusen den Einfluss von SHP-1 auf arterielle Thrombose in vivo intravitalmikroskopisch im Rückenhautkammermodell durch Messung der thrombotischen Gefäßverschlusszeit nach exogener Gefäßverletzung durch Eisenchlorid. Als spezifischer Hemmer der SHP-1 wurde Sodium-Stiboglukonate (SS; 11µM) verwendet.
Ergebnisse: Die Collagen abhängige - nicht aber Thrombin- oder ADP induzierte - Thrombozytenaggregation im PRP war nach Hemmung von SHP-1 mit SS signifikant erhöht (n=6; P<0,05). Stimulation mit Collagen (10µg/ml) führte in humanen Thrombozyten außerdem zu einer deutlich vermehrten Phosphorylierung von Tyrosinresten, die nach spezifischer SHP-1 Hemmung mit SS vermehrt war (n=4; P< 0,05). Gleichzeitig bewirkte die Stimulation mit Collagen in Thrombozyten eine Erhöhung der spezifischen Aktivität von SHP-1 (n=4; P<0,05). Schließlich zeigten Wildtyp-Black6-Mäuse nach Hemmung von SHP-1 durch SS in vivo eine signifikant beschleunigte thrombotische arterioläre Gefäßverschlusszeit nach exogener Gefäßwandverletzung durch Eisenchlorid-Superfusion (n=6; P<0,05).
Zusammenfassung und Schlussfolgerung: SHP-1 spielt eine entscheidende Rolle in der Collagen vermittelten Thrombozytenaggregation im Sinne einer autoinhibitorischen Aktivierung zur Prävention überschießender Collagen-induzierter Thrombozytenaktivierung. Dies ist in vitro nur bei Collagen, nicht aber Thrombin- oder ADP induzierter Plättchenaktivierung, aber auch nach Gefäßwandverletzung in vivo  nachweisbar. Eine verminderte Aktivierbarkeit thrombozytärer SHP-1 könnte demnach zur Entwicklung atherothrombotischer Ereignisse beitragen.
 
Clin Res Cardiol 100, Suppl 1, April 2011
Zitierung mit Vortrags- oder Posternummer s.o.
DOI 10.1007/s00392-011-1100-y

http://www.abstractserver.de/dgk2011/ft/abstracts/P645.htm