Clin Res Cardiol 100, Suppl 1, April 2011

V942 - Nutzbarkeit der transösophagealen linksventrikulären Elektrographie bei der Indikationsstellung zur kardialen Resynchronisationstherapie
 
M. Heinke1, B. Ismer2, H. Kuehnert1, R. Surber1, H.-R. Figulla1
 
1Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Jena, Jena; 2Klinik und Poliklinik für Innere Medizin/Herzkatheterlabor, Klinikum der Universität Rostock, Rostock;
 
Hintergrund: Bei Patienten (P) mit Herzinsuffizienz (HF), Linksschenkelblock und reduzierter linksventrikulärer (LV) Funktion ist das Ausmaß der ventrikulären Desynchronisation von Bedeutung für den Erfolg der biventrikulären (BV) Stimulation. Die LV Elektrographie ermöglicht eine präoperative Abschätzung der ventrikulären elektrischen Desynchronisation und Positionierung der LV Elektrode. Eine erfolgreiche kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) kann nur bei Vorliegen einer ausgeprägten ventrikulären Desynchronisation erwartet werden. Ziel der Untersuchung ist der Vergleich der transösophageal vermessenen zur intrakardial erfassten Desynchronisation bei CRT Respondern (R) und CRT Nonrespondern (NR). 
Methoden: Bei 36 HF P (Alter 64,2 ± 11,5 Jahre; 32 Männer), mit New York Heart Association (NYHA) Klasse 3,0 ± 0,2, LV Ejektionsfraktion 25,1 ± 6,7 % und QRS-Dauer 164,6 ± 38,6 ms wurde  das intrakardiale interventrikuläre Leitungsdelay (IVCD) als Intervall zwischen Beginn des rechtsventrikulären (RV) Potentials der RV Elektrode und Beginn des LV Potentials der LV Elektrode über das Programmiergerät (CRT-Systeme: 28 Boston, 7 Medtronic und 1 St. Jude) erfasst. Das transösophageale IVCD wurde als Intervall zwischen Beginn des QRS-Komplexes im Oberflächen EKG und Beginn des LV Potentials im transösophagealen LV EKG (TO, Osypka, Rheinfelden) bestimmt.
Ergebnisse: Eine transösophageale hochaufgelöste und intrakardiale LV Elektrographie gelangen bei allen 36 P. Bei 24 R betrug das transösophageale IVCD 76,8 ± 23,7 ms und das intrakardiale IVCD 84,7 ± 37,2 ms (P<0,389) (Fig. 1). Bei 12 NR mit einem transösophageale IVCD 70,3 ± 27,9 ms betrug das intrakardiale IVCD lediglich 34,4 ± 27,4 ms (P=0,004) (Fig. 2). Die 24 R verbesserten sich in der NYHA Klasse von 3,0 ± 0,2 auf 1,9± 0,2 (P<0,001) während 21,3 ± 18 Monaten BV Stimulation. Bei 12 NR kam es zu keiner Verbesserung der NYHA Klasse (2,9 ± 0,2 auf 2,7± 0,3, P=0,04) während 10,7 ± 8 Monaten BV Stimulation.
Schlussfolgerungen: Die auf den posterioren linken Ventrikel gerichtete transösophageale Elektrographie ist eine neue Methode, die sich im Rahmen der Entscheidungsfindung für die BV CRT und für die Positionierung der LV Elektrode nutzen lässt. Das transösophageale IVCD ist möglicherweise ein robuster und klinisch einfach anwendbarer Parameter zur Vorhersage von klinischen R und NR für die BV CRT bei HF P.

 

Fig. 1: Transesophageal (left) and intracardiac (right) right and left ventricular electrography in CRT responder. IVCD - electrical interventricular conduction delay

 

Fig. 2: Transesophageal (left) and intracardiac (right) right and left ventricular electrography in CRT nonresponder. IVCD - electrical interventricular conduction delay
 

Clin Res Cardiol 100, Suppl 1, April 2011
Zitierung mit Vortrags- oder Posternummer s.o.
DOI 10.1007/s00392-011-1100-y

http://www.abstractserver.de/dgk2011/ft/abstracts/V942.htm