Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012

P376 - Erhöhte Spiegel des Enzyms Arginase stellen in der chronischen Herzinsuffizienz ein neues pharmakologisches Ziel zur Verbesserung der Mikrozirkulation dar
 
C. Jung1, F. Quitter1, M. Ferrari1, J. Pernow2, H.-R. Figulla1
 
1Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Jena, Jena; 2Dept. of Cardiology, Karolinsky University Hospital, Stockholm, Schweden;
 
Einleitung: In der chronischen Herzinsuffizienz kommt es durch zahlreiche plasmatische und zelluläre Veränderungen zu einer verminderten Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonoxid (NO). Die Konsequenzen sind unter anderem eine verschlechterte Endothelfunktion und Veränderungen in der Mikrozirkulation, der Perfusion auf Organebene. Das Enzym Arginase hat zuletzt zunehmend Aufmerksamkeit bekommen, trägt es doch durch einen Konsum von L-Arginin zu einem Substratmangel der NO-produzierenden Enzyme (NO-Synthase, NOS) bei.
Material und Methoden: 80 Patienten mit klinisch leichter (NYHA I-II) oder schwerer (NYHA III-IV) Herzinsuffizienz sowie gesunde Kontrollen wurden klinisch evaluiert und der zirkulierende Arginasespiegel mittels ELISA gemessen. Bei acht Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz erfolgte die sublinguale Messung der Mikrozirkulation mittels eines Intravitalmikroskops. Im Rahmen eines Meßprotokolls erfolgte die sublinguale Inkubation eines Arginase-Inhibitors (10mg nor-NOHA, fünf Minuten) auf einer Seite allein, auf der anderen Seite gemeinsam mit einem NOS-Inhibitor (10mg L-NMMA). Danach erfolgte die erneute lokale Messung der Mikrozirkulation.
Ergebnisse: Patienten mit klinisch milderer und schwerer Herzinsuffizienz hatten signifikant höhere Arginasespiegel als Kontrollpersonen (beides p<0.001), wobei der Spiegel bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz höher war als bei milder (p<0.01). Nach lokaler Applikation eines Arginaseinhibitors verbesserte sich die Mikrozirkulation sublingual (Dichte der durchbluteten Kapillare pro Quadratmillimeter, Abbildung 1, p<0.01). Dieser Effekt war durch die parallele Gabe eines NOS-Inhibitors aufgehoben.
Diskussion: Höhere Arginasespiegel beim Herzinsuffizienten tragen mit steigendem klinischen Schweregrad zunehmend zur niedrigeren Bioverfügbarkeit von L-Arginin und NO bei. Dies resultiert in endothelialer Dysfunktion und einer Einschränkung der Mikrozirkulation. Die pharmakologische Arginaseinhibition ermöglicht in diesem Zusammenhang jedoch einen neuen therapeutischen Ansatz zur Verbesserung der Bioverfügbarkeit von NO und damit auch der Mikrozirkulation.

 

Abbildung-1 (PCD: Perfused Capillary Density)
 

Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012
Zitierung mit Vortrags- oder Posternummer s.o.
DOI 10.1007/s00392-012-1100-6

http://www.abstractserver.de/dgk2012/ft/abstracts/P376.htm