Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012

P690 - Verordnungshäufigkeit, Dosierungen und Effekte herzinsuffizienzwirksamer Medikamente in der randomisierten INH-Studie
 
G. Güder1, G. Gelbrich2, S. Brenner1, C. Morbach1, M. Breunig1, D. Berliner3, G. Ertl1, S. Störk1, C. E. Angermann1 on behalf of INH
 
1Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg, Würzburg; 2Koordinierungszentrum für Klinische Studien Leipzig (KKSL), Universität Leipzig, Leipzig; 3Kardiologie und Angiologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover;
 
Hintergrund: Herzinsuffizienz-Medikamente werden oft nicht nach Leitlinien verabreicht bzw. dosiert. Ein Ziel der randomisierten INH-Studie war es, zu klären, ob in beiden Studienarmen (telefon- und schwesternbasierte Intervention HeartNetCare-HFTM [HNC] und Usual Care [UC]) nach180 Tagen (FUP) Unterschiede in Verordnungshäufigkeit und Dosierung von Betablockern (BB)- und ACE-Hemmern (ACEi) bzw. Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) beobachtet werden und, ob sich die klinischen Effekte der Auftitration in den Studienarmen unterscheiden.
Methoden: 715 systolisch herzinsuffiziente Patienten wurden randomisiert (UC: n=363, HNC: n=352, 69+12 Jahre, 29% Frauen, Ejektionsfraktion 30%). HNC-Patienten erhielten Schulung zu Medikamenten; Auftitration von BB und ACEi/ARB war ein explizites HNC-Ziel. UC-Patienten erhielten übliche Versorgung, Auftitration wurde im Arztbrief empfohlen. Medikation, Dosierungen, Lebensqualität (Short Form Questionnaire 36 [SF-36]) und NYHA-Klasse (bzgl. Vorbefund/Studienarm geblindete Ärzte) wurden bei Baseline und FUP erhoben. 
Ergebnisse: Bei Baseline nahmen 80% (HNC: 81, UC 79%, NS) bzw. 88% (HNC: 89, UC 87%, NS) der Patienten BB und ACEI/ARB ein. Die mittlere Äquivalenzdosis war für BB 36% (HNC 34, UC 38%, NS), für ACEi/ARB 43% (HNC 44, UC 41%, NS) der nach Leitlinien empfohlenen Maximaldosis. NYHA III/IV waren 40% (HNC 43, UC 36%, NS), die mittlere SF-36 Summenskala der Körperfunktion war 46 Punkte (HNC: 48, UC 44, NS). Bei FUP nahmen in HNC +7%, in UC +5% Patienten BB (p=0.56), und je -1%  ACEI/ARB ein (p=0.99). Die mittlere Äquivalenzdosis stieg für BB in HNC und UC um +8 bzw. +4% (P<0.001) und für ACEi/ARB um +9 bzw +2% (p=0.009). In HNC erfolgte eine Auftitration von BB und/oder ACEi/ARB in 53, in UC in 43.5% (p=0.03), dabei nahm hier die NYHA-Klasse um -0.43 bzw. -0.11 ab (p=0.001), und die  Körperfunktion veränderte sich um +8.1 bzw. -2.0 Punkte (p=0.004). Bei den nicht auftitrierten Patienten nahm die NYHA-Klasse in HNC und UC je um -0.29 ab (p=0.96). Die Körperfunktion stieg um +3.3 bzw. +5.3 (p=0.55).
Schlussfolgerung: Verordnungshäufigkeit und Dosierung von BB und ACEi/ARB lassen sich bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz selbst im Rahmen strukturierter Versorgung oft (wegen Unverträglichkeit oder Kontraindikationen) nicht leitliniengemäß steigern. Im HNC-Arm profitierten Patienten hinsichtlich NYHA-Klasse und Körperfunktion signifikant stärker von der Auftitration als im UC-Arm.
 
Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012
Zitierung mit Vortrags- oder Posternummer s.o.
DOI 10.1007/s00392-012-1100-6

http://www.abstractserver.de/dgk2012/ft/abstracts/P690.htm