Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012

V102 - Stellenwert der epikardialen Ablation ventrikulärer Tachykardien: Muss das endokardiale Substrat nur ausreichend charakterisiert werden?
 
A. Sultan1, J. Lüker1, B. A. Hoffmann1, I. Drewitz1, H. Servatius1, K. Müllerleile1, A. Aydin1, F. Hartel1, I. K. Wilke1, J. M. Nührich1, B. Schäffer1, S. Willems1, D. Steven1
 
1Klinik für Kardiologie mit Schwerpunkt Elektrophysiologie, Universitäres Herzzentrum Hamburg gGmbH, Hamburg;
 
Einleitung: Die Katheterablation steht als mögliche kurative Therapie von ventrikulären Tachykardien (VT) zur Verfügung. Aufgrund des heterogenen und dreidimensionalen Substrates wird die Notwendigkeit für eine epikardiale Ablation mit einer Häufigkeit von 15-20% angegeben. In der vorliegenden Studie soll bei Patienten mit struktureller Herzerkrankung evaluiert werden, inwieweit ein alleiniger endokardialer Ablationsansatz für die Therapie von VTs erfolgreich sein kann.
Methoden: Im Zeitraum von Januar 2009 bis Juli 2011 wurden 82 VT Ablationen für anhaltende VTs unter Zuhilfenahme eines dreidimensionalen Mappingsystem (Carto) durchgeführt. Das Mapping der VTs wurde basierend auf Kriterien wie Frühzeitigkeit, Pacemap, Entrainment und Stimulus zu QRS Intervall durchgeführt. Bei fehlender Induzierbarkeit bzw. hämodynamischer Instabilität der VT erfolgte eine substratbasierte Ablation. Der akute Ablationserfolg wurde definiert als fehlende Induzierbarkeit anhaltender VTs mittels programmierter Ventrikelstimulation. Die Langzeitverlaufskontrollen wurden durchschnittlich nach 528 ± 217 Tagen mittels Abfrage des ICD-Aggregates (46 ICD Träger), durch dreimonatliche 3 Tage Holter Aufzeichnungen und telefonische Befragung erhoben.
Ergebnisse: Es wurden insgesamt 80 VT Ablation bei 64 Patienten (52 Männer; Alter 64,1 ± 12,1 Jahre) analysiert. Hiervon hatten 48 Patienten eine ischämische, 13 dilatative und 3 arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathien.
Von den insgesamt 110 behandelten VTs konnten 100 (91 %) durch alleinige endokardiale Ablation erfolgreich abladiert werden (mittlere Prozedurdauer 182,6 ± 69,3 min.; Fluoroskopiezeit 22,1 ± 13,1 min.; RF-Impulse 14 ± 12). Bei lediglich 6 (9%) VTs war eine zusätzliche epikardiale Ablation erforderlich - bei 3 von 6 VTs erfolgreich.
In 59 (74%) Prozeduren erfolgte Mapping und Ablation während VT. Bei 21 (26%) Prozeduren erfolgte eine substratbasierte Ablation. In 2 Fällen wurde aufgrund anhaltender VT eine mechanische hämodynamische Unterstützung während der Ablation erforderlich.
Nach 1,2 ± 0,5 Prozeduren waren im Langzeitverlauf 49 (78%) Patienten weiterhin rezidivfrei, 13 (19%) wiesen erneute Schockentladungen bzw. anhaltende VTs auf und 2 (3%) verstarben.
Zusammenfassung: In der vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass trotz des heterogenen Substrates bei VT mit struktureller Herzerkrankung eine alleinige endokardiale Ablation insbesondere bei Erstpräsentation zur Ablation mit hohen Erfolgsraten assoziiert ist. In dem hier vorgestellten Kollektiv war eine zusätzliche epikardiale Ablation nach ausgedehntem endokardialen Mapping nur bei 9 % der VTs erforderlich. Daher sollte auch im Hinblick auf die Komplexität und möglichen Komplikationen der epikardialen Ablation eine primär endokardiale Ablation von VTs, bei hoher Effektivität, als initialer Behandlungsansatz gewählt werden.

 
Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012
Zitierung mit Vortrags- oder Posternummer s.o.
DOI 10.1007/s00392-012-1100-6

http://www.abstractserver.de/dgk2012/ft/abstracts/V102.htm