Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012

V1164 - Katheterablation ohne Röntgen: Eine Vision oder bereits die Realität in der klinischen Routine? Eine Feasibility-Study mit 100 konsekutiven Patienten
 
A. Hahnefeld1, S. Beil1, N. Seidel1, R. Wakili2, S. Kääb2, H. L. Estner2
 
1MVZ am Diako, Augsburg; 2Medizinische Klinik und Poliklinik I, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern, München;
 
Einleitung: Durch die Einführung und Weiterentwicklung der 3D-Navigationssysteme in der interventionellen Elektrophysiologie sind eine genaue Rekonstruktion der Herzhöhlen sowie eine millimetergenaue Navigation der EP-Katheter möglich. Einige Kasuistiken beschreiben komplett nicht-fluoroskopische Ablationen bei einfachen aber auch komplexen Prozeduren wie Pulmonalvenenisolation.
Studienziel: Das Ziel dieser Studie war die Untersuchung der Machbarkeit einer komplett nicht-fluoroskopischen Ablation mittels CARTO 3 System bei SVT und idiopathischen VES/VT in einem konsekutiven Patientenkollektiv.
Methoden und Ergebnisse: Im Zeitraum von Januar bis November 2011 wurden 100 konsekutive Patienten eines Untersuchers mit SVT (61 AFlatt, 21 AVNRT, 5 EAT, 3 WPW, 2 His) und idiopathischen VES/VT (3 in RVOT, 3 in LVOT, 1 linkspost. Fasz., 1 anteriorer Papillarmuskel) eingeschlossen. Als Kontrollgruppe diente ein historisches Kollektiv aus dem Jahr 2010 (n = 140). Die 3D-Navigation erfolgte mittels CARTO 3 System, alle Prozeduren wurden durch einen Untersucher durchgeführt. Im Studienprotokoll war festgelegt, dass in allen Situationen, bei denen die 3D-Navigation die vom Untersucher geforderte Orientierung oder Patientensicherheit nicht gewährleistet, eine zusätzliche Fluoroskopie erlaubt war. Eine komplett nicht-fluoroskopische Ablation war in 75% der Fälle möglich. Bei den restlichen 25 Prozeduren mit zusätzlicher Röntgendurchleuchtung betrug der Medianwert der Durchleuchtungszeit 5,4 min (Range: 0,15 -13,5) bei einer Strahlendosis von 20,5 cGy/cm² (Range: 0,5-150,0). Die Gründe der notwendigen Durchleuchtung waren eine schwierige Passage der Katheter durch die Beckengefäße (n=14), eine komplexe rechtsatriale Anatomie (n=7), die Notwendigkeit einer transseptalen Punktion (linksatriale EAT, n=3) oder einer Koronarangiographie (VES in LVOT, n=1). Es wurde eine deutliche Lernkurve beobachtet, so dass bei den Untersuchungen der letzten 3 Monate bei > 95% der Fälle keine Durchleuchtung notwendig war. Es wurden keine Komplikationen beobachtet. Die mittlere Durchleuchtungszeit des gesamten Studienkollektivs und der Kontrollgruppe betrug 1,3 (+3,3) min vs. 17,1 (+ 8,1) min, p < 0,001, bei einer Untersuchungsdauer von 117,2 (+ 41,8) min vs. 120,5 (+ 45,7), p=n.s.
Zusammenfassung: In einem konsekutiven Patientenkollektiv mit SVT und idiopathischen VES/VT konnte bei 75% der Gesamtfälle und nach einer abgeschlossenen Lernkurve bei über 95% der Fälle eine komplett nicht-fluoroskopische Katheterablation durchgeführt werden, was zu einer drastischen Reduktion der gesamten Strahlenbelastung im EPU-Labor geführt hat. Die Möglichkeit der Fluoroskopie in Stand-by-Modus ist allerdings bei komplexen Prozeduren weiterhin zwingend notwendig.
 
Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012
Zitierung mit Vortrags- oder Posternummer s.o.
DOI 10.1007/s00392-012-1100-6

http://www.abstractserver.de/dgk2012/ft/abstracts/V1164.htm