Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012

V99 - Elektrokardiographische Befunde bei ventrikulären Tachykardien mit erfolgreichem epikardialem Ablationsort nach vorangegangener erfolgloser endokardialer Ablation
 
C. Reithmann1, M. Fiek1
 
1Medizinische Klinik I, Kardiologie, Kliniken München Pasing und Perlach GmbH, Klinikum München Pasing, München;
 
Einige ventrikuläre Tachykardien (VT) haben einen epikardialen Ursprung und sind einer endokardialen Ablation nicht zugänglich. Für folgende 12-Kanal EKG Kriterien während VT wurde eine hohe Sensitivität und Spezifität zur Identifizierung eines epikardialen Ursprungs gefunden (Berruezo et al., Circulation 2004; 109: 1842):
1) Pseudo Deltawelle > 34 ms
2) Zeit bis zum oberen Umschlagspunkt in V2 (ID V2)  > 85 ms
3) kürzeste RS Dauer in allen Brustwandableitungen > 121 ms.
Eine Einschränkung dieser EKG Kriterien könnte darin bestehen, daß in der Arbeit von Berruezo et al. ein epikardialer Ursprung auch bei ineffektiver endokardialer Ablation ohne epikardialen Ablationsversuch (Gruppe C der Arbeit) angenommen wurde.
Fragestellung: In einer Serie von 30 Patienten mit erfolgreicher VT Ablation bei ischämischer Kardiomyopathie (ICM) (n = 22) und nicht-ischämischer Kardiomyopathie (NICM) (n = 8)  wurden die 12-Kanal EKG Kriterien von Berruezo et al. dahingehend analysiert, ob die VT Ablation endokardial erfolgreich war (endo erfolgreich) oder nach erfolglosem endokardialem Ablationsversuch epikardial erfolgreich war (epi erfolgreich).
Methodik: Die VT Ablation wurde als kombinierte Substrat-basierte, elektrophysiologisch-geführte Ablation mit Hilfe eines 3-D Mapping Systems (CARTO) durchgeführt. Die epikardiale Ablation erfolgte nach Perikardpunktion nach der Methode von Sosa et al. Die 12-Kanal EKGs während VT wurden ausgewertet.
Statistik: Kontinuierliche Variablen wurden mit dem Student´t-test, Nominalwerte mit dem Chi-Square Test analysiert. Ein p-Wert < 0.05 wurde als signifikant angesehen.
Ergebnisse: Bei 22 Patienten (ICM, n = 20, NICM, n = 2) wurde eine erfolgreiche endokardiale Ablation und bei 8 Patienten (ICM, n = 2, NICM, n = 6) eine erfolgreiche epikardiale Ablation durchgeführt.
                                                endo erfolgreich          epi erfolgreich
Pseudo Deltawelle  > 34 ms               7/22                           6/8                p < 0.05
ID in V2 > 85 ms                               9/22                            5/8                 n.s.
kürzestes RS > 121 ms                      16/22                         7/8                 n.s.
QRS Dauer (ms)                            182 +- 38                     222 +- 54         n.s.
Beurteilung: Das Vorliegen einer Pseudo Deltawelle im 12-Kanal EKG war das einzige der untersuchten EKG Kriterien, das sich bei VTs mit erfolgreichem epikardialen Ablationsort von VTs mit erfolgreichem endokardialem Ursprungsort unterschied. Mit einem erfolgreichen epikardialen VT Ursprung ist bei NICM wesentlich häufiger als bei ICM zu rechnen.
 
Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012
Zitierung mit Vortrags- oder Posternummer s.o.
DOI 10.1007/s00392-012-1100-6

http://www.abstractserver.de/dgk2012/ft/abstracts/V99.htm