P377 - Progrediente Dyspnoe - akuter Vorderwandinfarkt?
 
H. Grawe1, A. Grawe1, J. Schumm1, M. S. Dreher1, F.-J. Beck1
 
1Innere Medizin I, HSK, Dr. Horst Schmidt Kliniken GmbH, Wiesbaden;
 
Die initiale Aufnahme des 77-jährigen Patienten erfolgte bei anamnestisch neu aufgetretenen thorakalen Beschwerden und in den letzten Tagen progredienter Dyspnoe. 
An relevanten Vorerkrankungen bestand ein kurativ operiertes Nierenzellkarzinom 2008 (pT1b N0 M0 R0 G2) sowie Operation eines infrarenalen Bauchaortenaneurysma 2005.  Echokardiographisch wurde auswärtig ein leicht- bis mittelgradig reduzierte LV Funktion mit Hypokinesie apikal septal und anteroseptal sowie ein Perikarderguss von ca. 1 cm beschrieben. Im EKG zeigten sich ST-Hebungen über der Vorderwand.
Daher erfolgte die Übernahme zur Koronarangiographie. Dabei zeigte sich eine schwere koronare Dreigefäßerkrankung mit hochgradiger RIVA - Stenose, proximalem kollateralisiertem RCX - Verschluss sowie peripherem kollateralisiertem RCA - Verschluss bei kleinem Gefäß. Es erfolgte eine PTCA und Stentimplantation der RIVA - Stenose, eine Rekanalisation wdes RCX - Verschlusses wurde zweizeitig geplant. Der Patient war im Verlauf kardial stabil und in Ruhe beschwerdefrei. Es bestand allerdings weiterhin eine Belastungsdyspnoe NYHA II - III, außerdem zeigte sich ein Anstieg der Retentionswerte. Echokardiographisch stellte sich der Perikarderguss als deutlich progredient dar (Ausdehnung 30-35 mm vor dem rechten Ventrikel von subcostal). Außerdem zeigte sich eine große (ca 60 x 38 mm) Raumforderung  im Bereich des apikalen rechten Ventrikels mit Verdacht auf Infiltration des Ventrikelseptms.
Daraufhin erfolgte eine Perikardpunktion, wobei ca 900 ml hämorrhagischer Erguss abgelassen werden konnten. Bei der zytologischen Untersuchung ließen sich einzelne undifferenzierte Tumorzellen nachweisen, eine genaue Differenzierung war nicht möglich. Im Cardio MRT stellte sich die Struktur als inhomogen und mit fokaler Kontrastmittelaufnahme dar.
Daher entschieden wir uns zur Biopsie der Raumforderung. Dies erfolgte problemlos über die V. femoralis. Histologisch zeigte sich dabei ein nekrotisch zerfallender, maligner mesenchymaler Tumor, vereinbar mit einem Sarkom. In Absprache mit der Onkologie, dem Patienten und seiner Familie erfolgte daraufhin ein palliatives Procedere.
Primäre kardiale Neoplasien sind wesentlich seltener als sekundäre. Von den primären kardialen Tumoren sind ca 25 % maligne. Davon sind die meisten Sarkome. Die Prognose ist schlecht, die Lebenserwartung beträgt in der Regel nur wenige Monate.
 

EKG bei Aufnahme

TTE, apikaler 4-Kammer-Blick
 

Cardio MRT

 
Clin Res Cardiol 104, Suppl 2, Oktober 2015
Zitierung eines Abstracts mit DOI, Vortrags- oder Posternummer, Titel, Autoren, etc. s.o.
DOI 10.1007/s00392-015-1200-1

http://www.abstractserver.de/dgk2015/ht/abstracts/P377.htm